Tag 3: Brno – Angern an der March

⌴ 139.8km ⋅ ◿ 1073hm ⋅ ◺ 1153hm ⋅ ⤓ 140m ⋅ ⤒ 326m ⋅ ☀︎ 27°C ⋅ ◷ 8:18:10 ⋅ Σ 285km

Nahe der klei­nen Stadt Slav­kov bei Brünn stan­den ein­an­der am 2. Dezem­ber 1805 mehr als 150.000 Mann in Waf­fen gegen­über. Mehr als 20.000 davon wur­den bis zum Son­nen­un­ter­gang des kal­ten und reg­ne­ri­schen Tages getö­tet oder ver­wun­det, Tau­sen­de wei­te­re gin­gen in Gefan­gen­schaft. Benannt ist die­se Schlacht wie üblich nach kei­nem von ihnen, son­dern wahl­wei­se nach dem deutsch­spra­chi­gen Namen des Orts Slav­kov, Aus­ter­litz, oder nach den eben­falls anwe­sen­den drei Kai­sern aus Frank­reich, Öster­reich und Russ­land, Drei­kai­ser­schlacht. Über 100 Jah­re nach der Schlacht wur­de auf dem Gip­fel des Hügels, um den sich das gan­ze Gemet­zel abge­spielt hat, die „Mohy­la míru“ errich­tet, das ers­te euro­päi­sche Frie­dens­denk­mal. 1912 war es fer­tig, doch eröff­net wur­de es erst eini­ge Jah­re spä­ter – iro­ni­scher­wei­se hat gera­de der Welt­krieg die Zere­mo­nie ver­hin­dert. Wie das Bau­werk von Aus­sen aus­sieht, stel­len die Fotos wohl bes­ser dar als ich es beschrei­ben könn­te. Von Innen haben wir es nicht gese­hen, da braucht man näm­lich eine Füh­rung und dar­auf woll­ten wir auf dem kal­ten und extrem win­di­gen Hügel nicht war­ten. Viel­leicht fah­ren wir da ja noch ein­mal vor­bei, ist ja nur einen Kat­zen­sprung von Brno.

Ja, win­dig war es heu­te, und zwar von Wes­ten und von Nor­den, was je nach gera­de not­wen­di­ger Fahrt­rich­tung ein ange­nehm anschie­ben­der Rücken­wind war oder ein sehr läs­ti­ger, böiger Sei­ten­wind. Immer­hin: er hat uns nach Bře­clav getra­gen, genau­er gesagt in das, was dazu geführt hat, dass das Stadt­zen­trum von Bře­clav immer so aus­ge­stor­ben wirkt: die Stadt hat ein Fach­markt­zen­trum, des­sen Park­platz auch heu­te am Sonn­tag gut gefüllt ist. Ansons­ten sieht es aus wie jedes ande­re Fach­markt­zen­trum auch, könn­te genau­so gut auf der ande­ren Sei­te der Tha­ya ste­hen, mit dem ein­zi­gen Unter­schied, dass es dort heu­te nicht geöff­net haben dürf­te. Haben wir das also jetzt auch gesehen.

Wei­ter nach Süden, nach Hohen­au, wo wir heu­te ein­mal Zeit haben uns den dor­ti­gen jüdi­schen Fried­hof anzu­se­hen. Er exis­tiert seit 1879 und wur­de ein­mal im 20. Jahr­hun­dert erwei­tert, die letz­ten Grä­ber stam­men aus 1937. Vie­le der Grab­stei­ne sind auf Hebrä­isch und auf Deutsch beschrif­tet, die ganz neu­en in der hin­te­ren Ecke sind auf­grund ihrer Grös­se als geplan­te Fami­li­en­grä­ber erkenn­bar, sonst ja eher unty­pisch. Eine enga­gier­te Grup­pe von Hohenauer*innen und die Israe­li­ti­sche Kul­tus­ge­mein­de haben dafür gesorgt, dass Büsche und Unkraut zwi­schen den Grab­stei­nen ent­fernt wur­den und auch die gros­sen, alten Bäu­me auf dem Gelän­de nicht zur Gefahr wer­den. Bei dem heu­ti­gen Wind ist uns dar­un­ter trotz­dem nicht ganz wohl. Auch von der Fami­lie Hei­lig sind hier Mit­glie­der bestat­tet, aber „geklin­gelt“ hat es erst zu Hau­se: Ich weiss erst seit gera­de eben, dass der Jour­na­list und Anti­fa­schist Bru­no Hei­lig ein gebür­ti­ger Hohen­au­er war, der in Bře­clav, damals Lun­den­burg, in die Schu­le gegan­gen war. Er wur­de im März 1938 ver­haf­tet und zuerst in Dach­au, dann in Buchen­wald inhaf­tiert, kam dann aber im Jahr dar­auf wie­der frei. Die Fami­lie floh nach Eng­land, wo Hei­lig in sei­nem Buch „Men Cru­ci­fied“ sei­ne Zeit im KZ schil­der­te. In Öster­reich wur­de das Werk unter dem Titel „Men­schen am Kreuz“ erst 2002 von der „Biblio­thek der Pro­vinz“ neu auf­ge­legt. Wer es lesen will (und das soll­te man): es ist noch immer lieferbar.

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Die Stre­cke

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    Brno – Angern an der March

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