Es ist ja nicht so, dass in Znojmo am Sonntagnachmittag sonst die Hölle los ist, aber heute wirkt es schon besonders still als wir über den Platz fahren. Wir rumpeln über das Kopfsteinpflaster zur Brauerei und vorbei am Braugasthof. Hat der heute wirklich zu? Merkwürdig, aber dort wollten wir ohnehin nicht einkehren. Aber auch bei der Rotunde, unserem eigentlichen Ziel, haben wir kein Glück: kommentarlos ist das Ausgabefenster geschlossen, noch nicht einmal ein Zettel informiert uns über den Grund. Oje, dann werden wir wohl etwas anderes suchen müssen, auch wenn es nirgends in der Stadt so eine schöne Aussicht gibt. Auf der Rückfahrt in Richtung Horní Náměstí, dem oberen der beiden Plätze, kommen wir noch an der Mährischen Vinothek vorbei, vor der gerade einmal zwei Männer vor Gläsern mit einer verdächtig farblosen Flüssigkeit sitzen. Ist das etwa Wasser und gibt es heute auch die Vinothek nicht? Was ist denn da los? Eine kurze Recherche löst das Rätsel: die Stadt hat heute wohl einen kollektiven Kater. Gestern war nämlich grosses Weinfest. Und heute ist wegen Gestern geschlossen.
Wir kaufen beim Kaufland ein Abendessen für den Zug und bekommen zwei Reihen hinter uns von Znojmo bis Wien Unterhaltung vom Feinsten. Zwei junge Männer sind mit ihren Gravelbikes eingestiegen und quasseln die ganze Fahrt durch. Über Wien: „dumm, dass man sich entscheiden muss, auf welcher Seite der Donau man wohnen möchte“ – ja, da gäbe es auch noch die Donauinsel als Geheimtipp für Unentschlossene, aber dort möchte man eigentlich nicht wohnen. Über den Preis von Laufradsätzen für Rennräder: „du hast doch so teure, da musst du für einen zweiten Satz mindestens mit 200 Euro rechnen“ – die Quelle für einen vollständigen Laufradsatz für ein Rennrad um 200 Euro hätten wir erfragen sollen. Über Europa: „wenn du von der Bretagne über Deutschland, Tschechien und die Slowakei bis in die Ukraine fährst, merkst du eigentlich keinen Unterschied“ – wir nehmen das überrascht zur Kenntnis und aufmerksame Leser*innen unseres Blogs vermutlich ebenso. Zum Glück gibt es diese Unterschiede, sonst wäre Europa ja langweilig, und vielleicht gibt es nächste Woche auch wieder ein Bier auf der Rotunde.
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