Wien – Znojmo

⌴ 105.8km ⋅ ◿ 489hm ⋅ ◺ 380hm ⋅ ⤓ 156m ⋅ ⤒ 308m ⋅ ◷ 6:02:00

Als ich ein Kind war, gab es um die­se Jah­res­zeit zahl­rei­che Tra­di­tio­nen, die gepflegt wer­den woll­ten. Wer woll­te, konn­te schon am 31.10. die Ral­ley von Fried­hof zu Fried­hof star­ten und sich einen Vor­sprung am Grab der Urstrumpf­tant sichern und somit der Ver­wandt­schaft ent­kom­men, der man sonst an Aller­hei­li­gen genau dort über den Weg gelau­fen wäre. Ein­mal im Jahr bei der Tan­te vor­bei­schau­en und ein Ker­zerl anzün­den, das gehör­te sich irgend­wie. Und man konn­te dabei über­prü­fen, dass das Grab eh recht schön gepflegt und mit fri­schen Eri­ka bepflanzt war. Ein Pflicht­ter­min war an die­sem Tag auch der Besuch bei der Bank zum Welt­spar­tag. Man liess die Spar­büch­se lee­ren und bekam neben einem Ein­trag im Spar­buch auch ein Geschenk. Ich sel­ber war an die­sem Tag aller­dings nie in einer Bank, denn die­sen Job hat­te mein Gross­va­ter über­nom­men: er hat­te den Ehr­geiz ent­wi­ckelt am Welt­spar­tag jedes auch noch so klei­ne Welt­spar­tags­ge­schenk abzu­stau­ben, bezirz­te dazu die Bank­an­ge­stell­ten und teil­te die Beu­te dann unter den Kin­dern auf. Die­se Kin­der waren am 31.10. selbst­ver­ständ­lich in der Schu­le, denn Herbst­fe­ri­en gab es noch nicht, und benei­de­ten ihre evan­ge­li­schen Klassenkamerad*innen, die an die­sem Tag den Refor­ma­ti­ons­tag fei­er­ten. Die­ser zusätz­li­che freie Tag wäre uns Grund genug gewe­sen die Kon­fes­si­on zu wech­seln, hät­ten wir gewusst, wie das geht.

Heu­te sind wir noch immer nicht evan­ge­lisch, las­sen Aller­hei­li­gen und Welt­spar­tag links lie­gen und genies­sen bei einer klei­nen Tour ins Wein­vier­tel noch ein­mal den Son­nen­schein. Mit­tag­essen gibt es in Brei­ten­wai­da, einer Katas­tral­ge­mein­de von Hol­la­brunn, frü­her ein­mal eine eigen­stän­di­ge Ort­schaft mit Kir­che, Raiff­ei­sen­kas­sa, Kame­rad­schafts­bund und Spar. Die­se klei­ne Spar-Filia­le ist unser Ziel. Hier ver­packt man nicht nur Käse und Leber­kä­se in Sem­meln, das Geschäft ist heu­te auch sonst die Rei­se wert: es ist näm­lich innen und aus­sen kom­plett mit Ske­let­ten, Geis­tern, schwar­zen Kat­zen, Sär­gen, Kür­bis­sen und Spin­nen deko­riert, die von der Decke hän­gen oder auf den Vitri­nen kle­ben. In einer Ecke lässt ein lebens­gros­ses (Pun inten­ded) Ske­lett alle paar Minu­ten ein dia­bo­li­sches Geläch­ter erschal­len und die Augen rot auf­glü­hen. „Geht ihnen der Kol­le­ge irgend­wann auf die Ner­ven?“ fra­ge ich eine Mit­ar­bei­te­rin mit Ske­lett auf dem T‑Shirt und einer rie­si­gen Plüsch-Spin­ne auf dem Rücken. Nein, der Kol­le­ge nervt nicht, aber das gan­ze Ensem­ble auf­zu­bau­en ist schon ein ziem­li­cher Auf­wand. Um 5 kom­men dann die Kin­der des Ortes schau­rig kos­tü­miert und dürf­ten sich aus der gros­sen Wan­ne mit Süs­sig­kei­ten zu den Füs­sen des Ske­letts bedie­nen. Dafür lohnt sich der Deko-Auf­wand, denn die Kin­der haben sol­che Freu­de dran. „Solan­ge ich noch da bin, wird es das wei­ter geben“, ver­spricht die Frau mit der Rie­sen­spin­ne, denn den gru­se­li­gen Super­markt gibt es jetzt seit 8 Jah­ren und damit ist es Tra­di­ti­on. Und Tra­di­tio­nen am 31.10. müs­sen gepflegt wer­den, dar­an hat sich in den letz­ten 40 Jah­ren nichts geändert.

Die Fotos

Die Stre­cke

Track Down­loads
    Wien – Znojmo

Fediverse reactions


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert