Wien – Parndorf/Pandrof

⌴ 126.9km ⋅ ◿ 610hm ⋅ ◺ 586hm ⋅ ⤓ 132m ⋅ ⤒ 197m ⋅ ☀︎ 27°C ⋅ ◷ 8:41:47

Die heu­ti­ge Stre­cke erin­nert mich ein wenig dar­an, dass ich vor ein paar Wochen mal eine „künst­li­che Intel­li­genz“ nach einer Rad­rou­te von Wien nach Pam­ha­gen gefragt habe und über Gän­sern­dorf und Ober­wart geschickt wor­den bin. Fast so umständ­lich sind wir heu­te nach Parn­dorf gefah­ren, nicht, weil wir es woll­ten, es hat sich ein­fach so erge­ben, weil es so vie­le klei­ne Zie­le am Weg­rand gibt. Das sind Merk- und Sehens­wür­dig­kei­ten, die es nicht recht­fer­ti­gen dafür eigens anzu­rei­sen, aber wenn sie am Weg lie­gen, dann schau­en wir ger­ne hin. Dafür muss der Weg manch­mal etwas krumm gebo­gen wer­den, aber dann wird die Tour wahr­haft ruinös!

Die ers­te Sta­ti­on ist Mark­graf­neu­siedl, das über ein Bau­werk ver­fügt, das schon vie­le Nut­zun­gen hin­ter sich hat: Wehr­kir­che, dann Ver­fall, dann in der Schlacht am Wagram 1809 Aus­guck, kurz dar­auf Wind­müh­le, abge­brannt und jetzt wie­der Rui­ne. Heu­te ist das ehe­ma­li­ge Lang­haus mit einem Glas­dach bedeckt und wird von der Gemein­de als Loca­ti­on für Hoch­zei­ten ver­mie­tet. Das ist wohl auch eine der weni­gen Mög­lich­kei­ten, wie man ins Gebäu­de kommt, doch wir sind ja schon ver­hei­ra­tet, also fällt das für uns aus.

Die zwei­te Rui­ne ist eben­falls nicht zur Besich­ti­gung vor­ge­se­hen, aber die muss man erst ein­mal fin­den. Es han­delt sich um den Ring­ofen von Gän­sern­dorf, einen der zahl­rei­chen Zie­gel­öfen des Wein­vier­tels, von denen heu­te kei­ner mehr in Betrieb ist und von denen vie­le schon abge­ris­sen sind. Der in Gän­sern­dorf steht noch, man hat ihn nur sei­nes Schlots beraubt, und so ver­fällt er seit 1970 lang­sam vor sich hin. Von aus­sen sieht das ein wenig aus wie der Schluss von „Aste­rix und die Tra­ban­ten­stadt“, als die Gal­li­er zau­ber­trank­ge­sät­tig­te Eicheln auf die Rui­nen der römi­schen Stadt wer­fen. Auch in Gän­sern­dorf wach­sen jetzt Bäu­me (aller­dings kei­ne Eichen) auf dem Gemäu­er, aber das Gewöl­be ist noch sta­bil und man fin­det den Ein­gang leicht.

Wei­ter über die March, vor­bei am auch nicht mehr ganz neu­en Grenz­ge­bäu­de von Záhor­ská Ves. Gleich dahin­ter ste­hen die Res­te der dor­ti­gen Zucker­fa­brik, die bis 1939 der jüdi­schen Unter­neh­mer­fa­mi­lie Löw-Beer aus Brünn/Brno gehör­te. Der Name ist vie­len bekannt wegen der pfir­sich­far­be­nen Fami­li­en­vil­la in Brünn. Die jün­ge­re Gene­ra­ti­on der Fami­lie war dann weni­ger wage­mu­tig bei der Farb­ge­stal­tung ihrer eige­nen Vil­la (aber nur bei der Farb­ge­stal­tung!) und hat die „Vil­la Tugend­hat“ in schlich­tem Weiss ver­put­zen lassen.

Ent­lang der ehe­ma­li­gen Bahn­stre­cke nach Zohor fah­ren wir nach Bra­tis­la­va, vor­bei an der Burg­rui­ne Devín, zu der man vom March­u­fer nur auf­bli­cken kann, nicht aber hin­auf­fah­ren. Die Zufahrt ist auf der ande­ren Sei­te, wir aber wol­len wei­ter, über die Donau und uns dem klei­nen Som­mer­pro­jekt wid­men, dem Besuch der sie­ben jüdi­schen Gemein­den des Bur­gen­lan­des. Dazu gehör­te auch Kitt­see, in dem 1938 nur noch weni­ge jüdi­sche Bewohner*innen leb­ten. Rund 50 Jüdin­nen und Juden waren im April 1938 Opfer einer beson­ders grau­sa­men Ver­trei­bungs­ak­ti­on, als sie an die Donau getrie­ben wur­den, so sie zunächst tage­lang auf einer Insel im Fluss war­ten muss­ten, weder Ungarn noch die Tsche­cho­slo­wa­kei woll­te sie ein­rei­sen las­sen. Spä­ter konn­te ein Fracht­kahn auf­ge­trie­ben wer­den, auf dem sie Mona­te ver­brin­gen muss­ten ehe sie end­lich an Land gehen konn­ten. Wie­vie­len es danach geglückt ist aus Euro­pa zu flie­hen und wie­vie­le in den NS-Ver­nich­tungs­la­gern ums Leben gekom­men sind, lässt sich wohl nicht mehr klären.

Auch in Kitt­see erin­nert wie in Mat­ters­burg und Deutsch­kreutz nur noch wenig an die ehe­ma­li­ge jüdi­sche Gemein­de. Gleich neben dem Schloss befin­det sich der von einer Mau­er umge­be­ne Fried­hof mit rund 230 Grab­stei­nen im halb­ho­hen Gras. Das Tor ist abge­sperrt, dies­mal fehlt der Hin­weis, wo man sich den Schlüs­sel holen könn­te. Wei­ter im Zen­trum befand der Stand­ort der ehe­ma­li­gen Syn­ago­ge, doch die wur­de 1950 von der Israe­li­ti­schen Kul­tus­ge­mein­de Wien, der neu­en Eigen­tü­me­rin, wegen Bau­fäl­lig­keit demo­liert. Heu­te erin­nert hier eine Gedenk­ta­fel an die Opfer des Nationalsozialismus.

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