Wien – Frau­en­kir­chen – Sankt Andrä am Zicksee

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Ganz Öster­reich war­tet auf den Regen. Wäre es tat­säch­lich so, dass es immer dann reg­net, wenn man gera­de kei­nen Regen­schirm dabei oder die Fens­ter frisch geputzt hat, hät­ten die Landwirt*innen ihre Schir­me schon ver­brannt und jedes noch so klei­ne Stall­fens­ter mit Reh­le­der und Clin strei­fen­frei gewie­nert, Bringt nur lei­der nichts und wir sind hier im Osten noch rela­tiv gut dran mit „nur“ 30–40% Nie­der­schlags­ver­lust im Früh­ling. Künst­li­che Bewäs­se­rung ist also ange­sagt, sogar der Wein bekommt tröpf­chen­wei­se sein Was­ser. Wenn das die Reben auf Lan­za­ro­te wüss­ten, dass man das auch so ein­fach haben kann und nicht meter­tief ins Vul­kan­ge­stein wur­zeln muss!

Unser Ziel ist heu­te eine wei­te­re der sie­ben jüdi­schen Gemein­den des Bur­gen­lan­des, Frau­en­kir­chen, vie­len ver­mut­lich wegen sei­ner Wall­fahrts­kir­che bekannt. Hier gab es bis 1938 eine zu ihren Hoch­zei­ten im 19. Jahr­hun­dert über 800 Per­so­nen umfas­sen­de jüdi­sche Gemein­de unter dem Schutz der Ester­há­zy. Bis zum Früh­jahr 1938 waren schon vie­le Fami­li­en aus dem Bur­gen­land weg­ge­zo­gen, den Rest der Gemein­de ver­nich­te­ten die bur­gen­län­di­schen Natio­nal­so­zia­lis­ten bin­nen weni­ger Wochen. Die Men­schen wur­den gezwun­gen ihr Ver­mö­gen abzu­ge­ben und dann aus dem Land ver­trie­ben. Min­des­tens ein Drit­tel von ihnen über­leb­te die Ver­fol­gung nicht, von einem wei­te­ren Drit­tel weiss man es nicht.

Soweit, so ähn­lich die Geschich­ten aller bis­her besuch­ten Gemein­den, doch in einem Punkt ist Frau­en­kir­chen anders. Hier hat sich ein enga­gier­ter Ver­ein dafür ein­ge­setzt, dass eine Gedenk­stät­te für die Opfer und Ver­trie­be­nen errich­tet wird. Die heisst „Gar­ten der Erin­ne­rung“ und besteht aus den über­dach­ten und ver­glas­ten Aus­gra­bun­gen der 1840 abge­brann­ten Syn­ago­ge des Ortes, bron­ze­nen Tho­ra-Rol­len auf einem Beton­ku­bus als Bima und einer Wand mit den Namen der ver­trie­be­nen und ermor­de­ten Frau­en­kirch­ner Fami­li­en. Dazu gibt es noch eine Web­sei­te mit lesens­wer­ten Bio­gra­phien von ganz nor­ma­len Frau­en­kirch­ner jüdi­schen Men­schen und Fami­li­en, auf der auch die Geschich­te und Bedeu­tung der Gedenk­stät­te nach­zu­le­sen ist.

Den Nach­fol­ge­bau der abge­brann­ten Syn­ago­ge gibt es heu­te nicht mehr, er wur­de 1939 zer­stört, doch der Fried­hof etwas aus­ser­halb des Ortes ist noch erhal­ten. Dort­hin las­sen wir uns von einem plötz­lich auf­kom­men­den hef­ti­gen Wind trei­ben. Alle offe­nen Erd- und Sand­flä­chen wer­den jetzt zu Staub­wol­ken, die über die Stras­se wehen, das ersehn­te Gewit­ter kün­digt sich an. Der Fried­hof aber ist staub­arm, weil von kürz­lich geschnit­te­nem Gras bedeckt, zwi­schen dem rund 1200 Grab­stei­ne ste­hen. Man­che davon ein wenig schief, vie­le alt und ver­wit­tert, aber auch ein paar neue sind dar­un­ter, das gan­ze Gelän­de umge­ben von einer stei­ner­nen Mau­er, die den Wind abhält und uns ein wenig län­ger durchs Tor schau­en lässt.

Mit Frau­en­kir­chen ist der geplan­te Teil der heu­ti­gen Tour zu Ende. Da wir aber nicht 40 Minu­ten auf den nächs­ten Zug war­ten wol­len, set­zen wir Segel und las­sen uns nach St. Andrä trei­ben, wo die War­te­zeit ein wenig kür­zer ist. Im Zug fah­ren wir dann wie­der durch Frau­en­kir­chen und sehen feuch­te Stras­sen. Zumin­dest die­ser Ort scheint heu­te etwas Was­ser abbe­kom­men zu haben.

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