Tag 2: Linz – Aigen-Schlägl – Dolní Dvořiště

⌴ 125.4km ⋅ ◿ 1086hm ⋅ ◺ 706hm ⋅ ⤓ 259m ⋅ ⤒ 845m ⋅ ◷ 8:10:44 ⋅ Σ 216km

Ganz oben im Mühl­vier­tel, im Drei­län­der­eck Öster­reich-Tsche­chi­en-Bay­ern, spielt Adal­bert Stif­ters „Hoch­wald“. Und auch wenn zu mei­ner Schul­zeit die Lehr­plä­ne noch nicht so streng waren und es daher mög­lich war Brecht und Bern­hard zu lesen und zahl­rei­che Fahr­ten ins Burg­thea­ter zu machen (R.I.P. Claus Pey­mann), ganz war es doch nicht vor­ge­se­hen dem 19. Jahr­hun­dert und sei­ner Lite­ra­tur zu ent­kom­men. In Linz hiess das Stif­ter lesen. Den „Hoch­wald“. Schon nach 5 Sei­ten Beschrei­bung von Fich­ten, Tan­nen und Föh­ren in schrof­fen Tälern habe ich auf­ge­ge­ben und sehn­süch­tig auf die Erfin­dung der Pho­to­gra­phie gewar­tet, die uns der­ar­ti­ge lite­ra­tri­sche Lang­at­mig­kei­ten in der Zukunft erspa­ren würde. 

Heu­te aber haben wir uns nach dem Hoch­wald gesehnt. Nicht nach dem von Stif­ter, son­dern einem aus Bäu­men, denn auf dem Weg von Aigen bis zur tsche­chi­schen Gren­ze fehlt es in der Som­mer­hit­ze ganz ein­deu­tig an Schat­ten. Dafür aber kriecht die Stras­se mit bis zu 15% Stei­gung den Süd­hang hin­auf – kein Spass und Wun­der, dass uns die ande­ren Rad­fah­ren­den nur ent­ge­gen gekom­men sind. Die ande­re Rich­tung ist näm­lich nicht weni­ger steil, dafür aber lie­gen die anstren­gends­ten Tei­le im Wald. Ob dort noch ein paar Bäu­me aus Stif­ters Zei­ten ste­hen? Oder sind viel­leicht die Baum­stümp­fe, die bei Nied­rig­was­ser am Ufer des Mol­dau-Stau­sees auf­tau­chen, noch Zeit­ge­nos­sen? Sicher aber ist Stif­ter nie­mals mit dem Fahr­rad unse­re heu­ti­ge Stre­cke gefah­ren, denn ohne Gang­schal­tung wäre der etwas beleib­te Schrift­stel­ler nie­mals auf den Berg gekom­men und die Gang­schal­tung wur­de erst Jahr­zehn­te nach sei­nem Tod erfunden.

Vie­len Rad­fah­ren­den, die uns auf den ers­ten rund 50 Kilo­me­tern der Tour ent­ge­gen gekom­men sind, dürf­te die Gang­schal­tung nicht ganz so wich­tig gewe­sen sein. Sie fah­ren ja schliess­lich net­to berg­ab, am fla­chen Donau­rad­weg und aus­ser­dem mit elek­tri­schem Hilfs­mo­tor, bei dem mich sowie­so der Ver­dacht beschleicht, dass bei den meis­ten E‑Bike-Fah­ren­den die Gang­schal­tung eher ein deko­ra­ti­ves Ele­ment ist. Gefah­ren wird nicht mit Gang­schal­tung, son­dern mit Ket­te rechts und mehr oder weni­ger Strom. Und das heu­te in Mas­sen, wir sind uns heu­te zwi­schen Linz und Aschach vor­ge­kom­men wie Geis­ter­fah­rer auf der Autobahn. 

Auf den letz­ten Kilo­me­tern haben wir uns noch irgend­ei­nen Titel im Paar­zeit­fah­ren ver­dient. Sowas wie „Süd­böh­mer­wäl­der Meister*innen im Paar­zeit­fah­ren (Hügel­wer­tung, mixed)“. Wir haben es näm­lich geschafft mit ordent­lich Rein­tre­ten und einer Fla­sche Cola (Pssst: Doping) noch den 18:52 in Ryb­nik zu erwi­schen. Die Alter­na­ti­ve dazu möch­te ich mir lie­ber nicht vor­stel­len: 2 Stun­den war­ten in the midd­le of nowhe­re, so hübsch kann der alte Bahn­hof gar­nicht sein.

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    Linz – Aigen-Schlägl – Dolní Dvořiště

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2 Antworten zu „Tag 2: Linz – Aigen-Schlägl – Dolní Dvořiště“

  1. Noch stei­ler hät­te es eh nicht mehr sein dürfen 😁😉😰

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