Tag 3: Linz – Gmünd (NÖ)

⌴ 114.3km ⋅ ◿ 1552hm ⋅ ◺ 1343hm ⋅ ⤓ 253m ⋅ ⤒ 853m ⋅ ◷ 9:19:27 ⋅ Σ 330km

Nach der gest­ri­gen Tour schul­det uns das Mühl­vier­tel ein paar Hun­dert Höhen­me­ter, die wir uns heu­te zurück­ho­len wer­den. Davor aber heisst es ordent­lich wei­ter inves­tie­ren damit sich das auch so rich­tig aus­zahlt. Es geht also wie­der hin­auf in Rich­tung der tsche­chi­schen Gren­ze, dies­mal aller­dings ins unte­re Mühl­vier­tel. Rad­rou­ten­tech­nisch gibt es übri­gens wenig Unter­schied zwi­schen „oben“ und „unten“ – Mühl­vier­tel ist Mühl­vier­tel und das heisst, dass es hüge­lig bis ber­gig wird. Ver­pfle­gung abseits von Schweins­bra­ten und Schnit­zel ist am Sonn­tag auch eine Her­aus­for­de­rung, also pei­len eine Tank­stel­le wir Frei­stadt und dann geht es run­ter ins Tal der Maltsch (Malše), die hier his­to­risch die Gren­ze zwi­schen Böh­men und Öster­reich und heu­te zwi­schen Tsche­chi­en und Öster­reich bildet.

Am Ufer des Flüss­chens steht das ver­mut­lich kleins­te Muse­um Öster­reichs, das der ehe­ma­li­gen Zoll­sta­ti­on gewid­met ist. Gera­de mal so gross wie ein Gerä­te­schup­pen ist es, doch es gäbe zum The­ma Gren­ze hier an die­ser Stel­le viel zu erzäh­len: zum Schmug­gel in der Zwi­schen­kriegs­zeit, als es der Tsche­cho­slo­wa­kei im Nor­den wirt­schaft­lich bes­ser ging als dem Mühl­vier­tel im Süden, vom Ver­such die Gren­ze gegen die deut­sche Aggres­si­on zu sichern, von der Ver­trei­bung nach 1945 und dem Fall des Eiser­nen Vor­hangs. Wir wis­sen nicht, was im Muse­um wirk­lich gezeigt wird, denn es hat geschlos­sen, die The­men aber wer­den jen­seits der Gren­ze in einer klei­nen Aus­stel­lung neben der Kir­che von Zettwing/Cetviny behan­delt, dem ein­zi­gen erhal­te­nen Gebäu­de des Ortes. Wir betrach­ten das Kirch­lein von Aus­sen, lesen die Tafeln der Aus­stel­lung und plötz­lich spring uns ein Name in die Augen: die hie­si­ge Flei­sche­rei hat einer Katha­ri­na Schöll­ham­mer gehört, die Fami­lie wur­de 1946 in die Nähe von Frei­stadt aus­ge­sie­delt. An der Ret­tung und Restau­rie­rung der Kir­che war eben­falls ein Mit­glied der Fami­lie Schöll­ham­mer betei­ligt, eine Ger­trud, als Kind ver­trie­ben leb­te sie nach dem Krieg in Mün­chen. Hat­te ich hier etwa Ver­wand­te? Die Schöll­ham­mers sind ja alle irgend­wie weit­schich­tig mit­ein­an­der ver­wandt. Auch wenn von den vor 1945 hier ansäs­si­gen Schöll­ham­mers sicher nie­mand mehr am Leben ist, hät­te ich nicht erwar­tet hier am Ende der Welt, in einem Ort, der vor über 70 Jah­ren dem Erd­bo­den gleich gemacht wor­den ist, weil der dem Grenz­schutz zu nahe an der Gren­ze gele­gen war, auf die­sen Namen zu stossen.

Der Rest der Tour ist sicher auch his­to­risch irgend­wie inter­es­sant, vor allem aber wegen der Stre­cke. Ein Traum für eine som­mer­li­chen Rad­tour. Es geht ten­den­zi­ell berg­ab durch dich­te, schat­ti­ge Wäl­der, gross­teils auf sehr, sehr ruhi­gen Neben­stras­sen und asphal­tier­ten Wald­we­gen und nur zwei­mal ent­spricht der Unter­grund nicht dem, was wir erwar­tet hät­ten als wir beim Navi ‚Renn­rad-taug­lich‘ bestellt haben. Ein­mal fehlt eine Brü­cke über einen Bach und ein guter Kilo­me­ter ist in der Kar­te als asphal­tiert ver­zeich­net, de fac­to aber eher eine Moun­tain­bike-Stre­cke mit Gleis­schot­ter und ver­ein­zelt Res­ten von Asphalt. Hier auf Dau­er zu brem­sen schaf­fen mei­ne Hän­de nicht, ein­fach lau­fen las­sen ist aber mit dem Leben nicht ver­ein­bar. Also bringt uns ein Daten­feh­ler in den Open Street­maps eine Berg­ab-Schie­be­stre­cke ein. Wir wer­den uns rächen und den Kilo­me­ter korrigieren.

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Die Stre­cke

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    Linz – Bezirk Gmünd

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