Wien – Lacken­bach – Deutschkreutz

⌴ 168.0km ⋅ ◿ 1021hm ⋅ ◺ 993hm ⋅ ⤓ 114m ⋅ ⤒ 339m ⋅ ☀︎ 27°C ⋅ ◷ 9:18:41

Wir sind heu­te etwas unent­schlos­sen, was das Ziel unse­rer Fahrt anbe­langt. Györ könn­te nett sein, den­ken wir zuerst, dann freut uns die Schot­ter­stre­cke hin­ter Parn­dorf doch nicht. Wenn wir schon ein paar Kilo­me­ter zurück fah­ren, dann kön­nen wir doch auch gleich zum See run­ter fah­ren. Dort wird uns schnell lang­wei­lig, also fah­ren wir schon vor Pam­ha­gen über die unga­ri­sche Gren­ze, nur um uns gleich noch mehr zu fadi­sie­ren, denn so wirk­lich viel zu sehen gibt es vor Fertöd eigent­lich nicht. Tro­cke­ne Fel­der, ein paar Rei­her und Rin­der und an der Stras­se Maul­beer­bäu­me. Oder waren die Maul­beer­bäu­me erst spä­ter auf der Fahrt?

In Fertöd ver­kauft man uns ein paar Kalo­rien in Gestalt einer Top­fen­go­lat­sche, die hier aus Germ­teig gemacht wird, wie auch beim Bur­gen­län­di­schen Bäcker Nagl­rei­ter. In Wien nimmt man dafür ja Plun­der­teig. Und dann auf nach Deutsch­kreutz, wie­der ein­mal. In Kophá­za pro­bie­ren wir doch mal eine ande­re Rou­te, es gibt dort gleich nach der Fahrt unter der Auto­bahn eine Schot­ter­pis­te nach Har­ka, im Ver­gleich zu so man­cher Neben­stras­se nicht ein­mal so schlecht zu fah­ren, nur die letz­ten Meter berg­auf haben die Stras­sen­rei­fen im Schot­ter grenz­wer­tig wenig Boden­haf­tung. Nach Har­ka fah­ren wir des­halb, weil wir uns schon wie­der anders ent­schie­den haben: wir wol­len nach Lacken­bach, ist ja nicht mehr so weit. Ja, wir sind nach 100 Kilo­me­tern in den Wind abge­bo­gen und nach 120 Kilo­me­tern legen wir dann noch eine Hügel­rou­te nach. Ganz schön blöd, aber wir sind rela­tiv früh auf­ge­bro­chen und es wird erst um 21 Uhr lang­sam dun­kel, also haben wir heu­te Zeit.

Lacken­bach also. Eine der aus­ge­lösch­ten Sie­ben Gemein­den, von der heu­te im Gros­sen und Gan­zen nur noch der Fried­hof vor­han­den ist. Er liegt am Hang gleich nach der Orts­ein­fahrt, von einer Mau­er umge­ben. Wir machen einen klei­nen Spa­zier­gang zwi­schen den Grab­stei­nen aus zwei Jahr­hun­der­ten. Ins­ge­samt wur­den hier über 1700 Per­so­nen bestat­tet, was Lacken­bach zu einem der gröss­ten jüdi­schen Fried­hö­fe in Öster­reich macht.

Schräg gegen­über dem Fried­hof befin­det sich ein rela­tiv beschei­de­nes Denk­mal aus schwar­zen Stei­nen. Es erin­nert an das „Anhal­te­la­ger Lacken­bach“, in dem ab 1940 rund 4000 Rom*nja und Sinti*zze unter mise­ra­blen hygie­ni­schen Bedin­gun­gen fest­ge­hal­ten wur­den und Zwangs­ar­beit leis­ten muss­ten. Hun­der­te fie­len einer Fleck­fie­ber­epi­de­mie zum Opfer, Tau­sen­de wur­den zur Ermor­dung ins Ghet­to Łódź, vie­le wei­te­re nach Ausch­witz depor­tiert, nur etwa 10% der Inter­nier­ten erleb­ten ihre Befrei­ung. Die Auf­ar­bei­tung durch die Volks­ge­rich­te war nach­sich­tig, die ver­blie­be­nen Bara­cken wur­den durch Brand­stif­tung noch im Jahr 1945 zer­stört und das ehe­ma­li­ge Gebäu­de der Lager­lei­tung liess man in den 80er Jah­ren abreis­sen. Heu­te erin­nert in der Ein­fa­mi­li­en­haus­sied­lung nur noch das oben erwähn­te Denk­mal an das Lager und sei­ne Opfer. Bei der Suche nach Infor­ma­ti­on über das Lager fin­de ich Hin­wei­se auf ein gera­de erst erschie­ne­nes Buch zum The­ma – der Bücher­sta­pel auf dem Nacht­kas­ten wird lang­sam bedroh­lich hoch.

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