Tag 8: Kłodz­ko – Hra­dec Králové

⌴ 83.1km ⋅ ◿ 762hm ⋅ ◺ 844hm ⋅ ⤓ 242m ⋅ ⤒ 790m ⋅ ◷ 5:36:29 ⋅ Σ 488km

Geschätz­te 99,9% aller LKW-Fahrer*innen sind aus­ge­spro­chen ver­nünf­tig, über­ho­len nicht zu knapp und war­nen manch­mal, wenn sie von hin­ten daher­don­nern. OK, im Zwei­fels­fall ver­zich­te ich dar­auf von einer LKW-Hupe auch nur mit kur­zem Antup­fen gewarnt zu wer­den, aber es ist ja gut gemeint. Lei­der gibt es dann manch­mal doch Fahrer*innen, die unauf­merk­sam sind oder zu den 0.1% der weni­ger net­ten gehö­ren und das ergibt dann brenz­li­ge Situa­tio­nen für Rad­fah­ren­de. Zum Bei­spiel heu­te: berg­auf in einer Rechts­kur­ve von einem Sat­tel­schlep­per über­holt wer­den ist dann kein Pro­blem, wenn die Gegen­fahr­bahn frei ist. So ein 16 m lan­ges Gefährt braucht näm­lich eini­ges an Platz, wenn es fast voll­kom­men starr um die Kur­ve geht. Wenn da dann im Gegen­ver­kehr ein ähn­li­ches Kali­ber berg­ab unter­wegs ist, kommt die rech­te Wand des Sat­tel­schlep­pers schon unge­müt­lich nahe, sehr ungemütlich.

Zum Glück ist nichts pas­siert und weni­ge Kilo­me­ter spä­ter ver­las­sen wir die auch am 1. Mai erstaun­lich stark befah­re­ne Stras­se in Rich­tung Tsche­chi­en, noch ein­mal müs­sen wir ein Stück rauf­kur­beln, und ab dann geht es nur noch berg­ab ins Tal der Elbe. Die Land­schaft erin­nert uns ans Mühl­vier­tel und die Stras­sen, die wir neh­men, sind deut­lich bes­ser in Schuss als auf der ande­ren Sei­te der Gren­ze und das hat zwei Effek­te: ers­tens trau­en wir uns die Räder berg­ab ein­fach mal rol­len zu las­sen und zwei­tens tref­fen wir jetzt ande­re Renn­rad­fah­rer, auch in Grup­pen und ohne sie zu gen­dern, Frau­en waren näm­lich nicht dabei. Gene­rell ist Tsche­chi­en ein ech­tes Rad­fahr-Land, nicht nur mit dem Moun­tain­bike, son­dern auch auf der Stras­se. Es gibt zwar nicht wahn­sin­nig vie­le Rad­we­ge und die Stadt­ein­fahr­ten kön­nen stres­sig wer­den, aber dazwi­schen hat man vie­le, vie­le Kilo­me­ter an klei­nen Neben­stra­ßen, und daher auch regen Rad­ver­kehr an Wochen­en­den, wenn die­se Rou­ten für Aus­flü­ge genutzt werden.

Wenn wir schon beim Gen­dern sind, so muss ich anmer­ken, dass der Name „Hra­dec Krá­l­o­vé“ auf deutsch eigent­lich „Köni­ging­rätz“ lau­ten müss­te, aber wer wird denn so klein­lich sein, wenn sie/er hier im Stadt­zen­trum die neue Archi­tek­tur der letz­ten 400 Jah­re bestaunt. König­grätz ist in Öster­reich auch nur aus dem Geschichts­un­ter­richt bekannt, als Ort der gleich­na­mi­gen Schlacht, die das Aus­schei­den Öster­reichs aus dem Deut­schen Bund besie­gel­te, das Schlacht­feld befin­det sich aber meh­re­re Kilo­me­ter außer­halb der Stadt. In Tsche­chi­en hin­ge­gen ist Hra­dec Krá­l­o­vé bekannt für sei­ne baro­cke Innen­stadt, vor allem aber für die zahl­rei­chen Gebäu­de der Jahr­hun­dert­wen­de und aus der Zwi­schen­kriegs­zeit, als die Tsche­cho­slo­wa­kei ein ver­hält­nis­mä­ßig ruhi­ges, sta­bi­les, demo­kra­ti­sches und rei­ches Land in Euro­pa war, ein Zen­trum der Indus­trie und auch der moder­nen Archi­tek­tur. Aus die­ser Zeit stammt zum Bei­spiel der hie­si­ge Haupt­bahn­hof mit dem iko­ni­schen Turm und der lang­ge­streck­ten Hal­le. Wenn man die klas­si­schen Bahn­hö­fe aus Paris als „Kathe­dra­len der Moder­ne“ bezeich­net, war­um dann nicht auch die­sen Bahn­hof? Kathe­dra­len fin­den sich ja nicht nur in Metro­po­len, son­dern auch in klei­ne­ren Städ­ten, wie wir aus diver­sen Rei­sen nach Frank­reich und Ita­li­en wis­sen. Wem aller­dings eher die ver­spiel­ten For­men des Jugend­stils gefal­len, wird hier in der Stadt eben­falls fün­dig. Ach ja: Bier gibt es auch und Gast­gar­ten­wet­ter! Wenn man aber mehr von der Stadt sehen will als wir, dann braucht man auch mehr Zeit als nur einen spä­ten Nachmittag.

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    Kłodz­ko – Hra­dec Králové

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