In Windischgarsten gibt es keinen Selecta-Automaten am Bahnhof, es gibt auch kein Bahnhofsrestaurant (wer erwartet heute sowas noch?) und auch auf dem Weg zum Bahnhof sind um 18:15 an einem Samstag alle Essensquellen schon geschlossen. Irgendwo gibt es sicher ein Wirtshaus, man ist schliesslich Fremdenverkehrsort, aber wir haben gerade mal 22 Minuten Zeit, zu wenig um irgendwo Ess- oder Trinkbares aufzutreiben. Also besichtigen wir mit knurrendem Magen einen Bahnhof, der von der Bahnhofsoffensive vergessen worden ist: alpiner Stil, historisches Stellwerk, jede Menge Pflatsche und in einer Hälfte des Warteraums gibt es eine Ecke mit einer kleinen Modelleisenbahn. Man betätigt einen Schalter und schon geht das Licht an und ein Güterzug setzt sich in Bewegung. Als wollte er nach unserem gastronomischen Fehlschlag im Ort noch Salz in die Wunde streuen, fährt jetzt alle paar Sekunden ein Güterwaggon mit grossem Gösser-Aufdruck vor meiner Nase vorbei.
Wir hätten uns das Gösser heute schon verdient gehabt, nach gut 900 Höhenmetern auf dem Kremstalradweg. Wer ein wenig sportlich ist, denen sei diese Strecke wärmstens ans Herz gelegt. Für die erste Hälfte tut es durchschnittliche Kondition, nach Kirchdorf geht es dann ein paar Mal ziemlich steil rauf und runter, aber durchaus machbar. Man kriegt dafür auch jede Menge Landschaft geboten, vom sonnenverbrannten Donautal bei Linz über die reifen Getreidefelder des Voralpenlandes bis zu satt grünen Wiesen, schattigen Mischwäldern und gelegentlichen Blicken auf die malerische Schlucht der Steyr. Die Farbe des Flusses würde man wohl als „smaragdfarben“ bezeichnen. Ein Teil der Strecke geht sogar durch den Nationalpark Kalkalpen, Blicke auf die schroffen Gipfel inklusive.
Zurück nach Linz geht es mit dem „InterRegio“, einem Bastard aus Intercity und Regionalzug, d.h. einem Desiro ML mit „Snack Zone“ und Reservierungspflicht für Fahrradstellplätze. Hier gibt es endlich Sandwiches und ein kaltes Cola und einen Kaffee, den laut Speisewagen-Kellner (ja, die Snack Zone hat Personal, um genau zu sein eine Person) schon länger niemand bestellt hat. Warum nicht? Schmeckt er etwa nicht? Nein, den Menschen ist es einfach zu heiss für Kaffee. Zu heiss für Kaffee? Ich verstehe dieses Konzept einfach nicht. Aber ich muss gestehen: ein Café frappé wäre mir auch lieber gewesen.
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