Tag 1: Wien – Kapuvár

⌴ 113.6km ⋅ ◿ 237hm ⋅ ◺ 265hm ⋅ ⤓ 111m ⋅ ⤒ 216m ⋅ ◷ 5:56:10 ⋅ Σ 113km

Wenn man von Pam­ha­gen ein­fach nach Süden fährt, kommt man auf einer holp­ri­gen und den­noch erstaun­lich stark befah­re­nen Stras­se nach Kapu­vár. Dazwi­schen liegt etwas, das ein­mal Teil der See­land­schaft des Neu­sied­ler Sees war, das Sumpf­ge­biet des Han­ság, dt. Waa­sen. Die­ses Sumpf­ge­biet gibt es nicht mehr, es wur­de Ende des 19. Jhdts. zuneh­mend ent­wäs­sert und ist heu­te eine inten­siv land­wirt­schaft­lich genutz­te Gegend mit Fel­dern und dazwi­schen ein paar Dör­fern. Wie das wohl vor der Ent­wäs­se­rung aus­ge­se­hen hat? Wie stellt man sich über­haupt ein Nie­der­moor vor, mat­schig und vol­ler Gel­sen oder wäre das kom­plett dane­ben? Und wie ent­wäs­sert man Hun­der­te Qua­drat­ki­lo­me­ter Moor?

Hier in Kapu­vár gab es scheints einen Mann, der das konn­te: Gus­tav (oder Gusz­tav) Berg, in Deutsch­land gebo­ren, in Frei­berg in Sach­sen als Berg­bau­in­ge­nieur aus­ge­bil­det und dann nach Ungarn über­sie­delt und nach einer beruf­li­chen Neu­ori­en­tie­rung (Ber­ge gibt es hier bekannt­lich nicht so vie­le) als Mana­ger des hie­si­gen Gutes der stein­rei­chen Magna­ten­fa­mi­lie Ester­há­zy jahr­zehn­te­lang tätig. Wenn man den Infor­ma­tio­nen, die man über ihn so fin­det, trau­en darf, so hat er ein Mus­ter­gut auf­ge­baut, für land­wirt­schaft­li­che Bil­dung gesorgt, eine Schu­le und die hie­si­ge Feu­er­wehr gegrün­det, Prei­se auf Welt­aus­stel­lun­gen ein­ge­heimst, Dampf­ma­schi­nen in der Land­wirt­schaft in der Gegend ein­ge­führt, als ers­ter dar­über nach­ge­dacht, wie man die hie­si­ge sump­fi­ge Gegend mit der Eisen­bahn erschlies­sen könn­te, dabei sel­ber eine Eisen­bahn (Spur­wei­te 50 cm) bau­en las­sen und schliess­lich dafür gesorgt, dass der Han­ság ent­wäs­sert wur­de. Dafür gab es dann eine Büs­te im Park und eine Gedenk­ta­fel am loka­len Museum.

Das mit der Ent­wäs­se­rung neh­men wir dem Herrn Baron ein wenig übel, aber die Lis­te der sons­ti­gen Achie­ve­ments deu­tet dar­auf hin, dass hier vor der zwei­ten Hälf­te des 19. Jhdts. tat­säch­lich wenig los war. Böse Zun­gen behaup­ten, dass sich dar­an nicht viel geän­dert hat, aber war­um auch? Als Kur­ort und Urlaubs­ort für älte­re Wie­ner Ehe­paa­re wie uns ist das ja auch nicht not­wen­dig, Geschich­te stört die Beschau­lich­keit nur. 

Geschich­te wie die Erschies­sung von 6 Män­nern wäh­rend der kurz­le­bi­gen unga­ri­schen Räte­re­pu­blik 1919, derer mit einem Denk­mal vor der Kir­che gedacht wird. Oder Geschich­te wie die der Flucht der DDR-Bürger*innen 1989 über die unga­ri­sche Gren­ze nach Öster­reich, als auf dem Cam­ping­platz eines Mor­gens das Zelt neben unse­rem Wohn­mo­bild, das dem net­ten Pär­chen mit säch­si­schem Akzent und Trab­bi gehört hat­te, ein­fach leer war. Aber das wäre eine ande­re Geschichte.

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