Tag 6: Mari­jam­polė – Birštonas

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Es kommt nicht auf die Grös­se an! Birš­to­nas mit sei­nen gera­de mal rund 3.000 Einwohner*innen über­ragt das mehr als 10 mal so gros­se Mari­jam­polė in punc­to Urba­ni­tät um Län­gen. Ein klas­si­sches Stadt­zen­trum, wie wir es sonst ken­nen, kön­nen wir zwar hier auch nicht aus­ma­chen, aber es fühlt sich wesent­lich beleb­ter an, auch und viel­leicht gera­de weil es sich um einen Kur­ort han­delt. Als sol­cher hat es Kur­bä­der für das seit 200 Jah­ren geschätz­te sal­zi­ge Was­ser. Kei­ne Ahnung, woge­gen das wir­ken soll, es ist auf jeden Fall gut für den Tou­ris­mus und das merkt man hier. Kur­kon­di­to­rei­en schei­nen in die­sem Bereich Euro­pas zwar nicht so bekannt zu sein, aber ein Stand mit Waf­feln und Eis ist ein ganz brauch­ba­rer Ersatz. Man hat auch ein paar Restau­rants mit fast nor­ma­len Öff­nungs­zei­ten, d.h. sol­che, die nicht schon um 21 Uhr zusperren.

Birš­to­nas ist luf­tig und offen ver­baut, es gibt fast nur Ein­fa­mi­li­en­häu­ser neben den Sana­to­ri­en und Hotels. Dürf­te hier auf dem Land und in klei­nen Städ­ten noch übli­cher sein als in Öster­reich und macht zusam­men mit der extrem locke­ren Sied­lungs­struk­tur und der dün­nen Besied­lung sicher jeg­li­che Erschlies­sung mit öffent­li­chem Ver­kehr, medi­zi­ni­scher Hil­fe oder gar mit Gas etc. zur Her­aus­for­de­rung. Die von uns sonst so geschät­zen völ­lig unwich­ti­gen Neben­stras­sen kön­nen wir hier man­gels Asphalt­be­de­ckung lei­der nicht nut­zen und müs­sen auf die nächst­hö­he­re Kate­go­rie aus­wei­chen, von der Open­Street­Maps als „secon­da­ry road“ bezeich­net. Auto­ver­kehr gibt es auf die­sen Stras­sen im Gegen­satz zur Stadt­ein­fahrt am Ende aller­dings kei­nen, dabei scheint hier alles und jeder mit dem Auto unter­wegs zu sein, vor­zugs­wei­se im SUV. Was das anlangt wäh­nen wir uns manch­mal fast irgend­wo in den USA, aber ein paar Limou­si­nen von BMW, Renault und Ško­da holen uns doch nach Euro­pa zurück. Zum Renn­rad­fah­ren wären die hüge­li­gen Stras­sen aller­dings per­fekt geeig­net, und das haben aus­ser uns heu­te sogar zwei wei­te­re Men­schen so gese­hen. Die ande­ren müs­sen an einem Don­ners­tag wohl arbei­ten gehen.

Ande­re Sportler*innen müs­sen sich die­se Woche sicher Urlaub neh­men um ihrem Sport nach­ge­hen zu kön­nen, dar­un­ter auch künf­ti­ger Weltmeister*innen. Hier in Birš­to­nas hat in den letz­ten Tagen die Welt­meis­ter­schaft in ARDF oder „radio fox hun­ting“ statt­ge­fun­den. Wem die­se Sport­art nichts sagt, der sei getrös­tet, denn wir haben heu­te auch zum ers­ten Mal davon erfah­ren. ARDF bedeu­tet „ama­teur radio direc­tion fin­ding“ und ist genau das: eine Art Ori­en­tie­rungs­lauf mit Ama­teur­funk. Man „jagt“ im Wald, von dem es hier ja mehr als genug gibt, Funk­si­gna­le aus­sen­den­de „Fuchs“ genann­te Sen­der, muss sie alle fin­den und nach mög­lichst kur­zer Zeit im Ziel ankom­men. Wir kom­men gera­de zum Beginn der Sie­ger­eh­rung an der Büh­ne vor­bei und wis­sen jetzt, dass Tsche­chi­en und die Ukrai­ne die­sen Sport ziem­lich domi­nie­ren. Wun­dert uns eigent­lich auch nicht.

Birš­to­nas ist die ers­te Stadt, durch die wir kom­men, die am Nemu­nas (dt. Memel) gele­gen ist, einem Fluss, der hier lang­sam zwi­schen bewal­de­ten Ufern vor­bei­zieht. Im Win­ter aber dürf­te er noch regel­mäs­sig zufrie­ren und auch noch Eis­stös­se ver­ur­sa­chen, wie man sich vor weni­gen Jahr­zehn­ten auch noch an der Donau gekannt hat. Man merkt, dass es hier doch noch um eini­ges käl­ter ist als in Wien, auch jetzt im August, doch den Ein­hei­mi­schen hier scheint das wenig aus­zu­ma­chen. Wer kur­ze Hosen tra­gen will, tut das ohne Gän­se­haut und im Gast­gar­ten bin ich die ein­zi­ge mit Decke. Ver­fro­re­ne süd­län­di­sche Weich­ei­er eben.

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    Mari­jam­polė – Birštonas

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