Tag 3: Venezia & Murano

Als echte Wiener*innen (selbstverständlich mit Migrationshintergrund, wie sich das gehört) müssen wir leider zugeben, dass Wien von Venedig in puncto Friedhof noch etwas lernen kann. Das haben wir heute auf der Friedhofsinsel San Michele gesehen, wo man eine besonders platzsparende Aufbewahrung der Verstorbenen pflegt, dass Kaiser Joseph II (der mit der Bahnwärterstochter) seine Freud gehabt hätte. Man findet auf diesem Friedhof die ewige Ruhe nicht senkrecht oder im Leinensack, wie dem Kaiser vorgeschwebt ist, sondern in 5 Stockwerken übereinander mit einem Namensschild an der Stirnseite und einem emailierten Foto. Kein Kommerzialrat, keine Hausbesitzerwitwe, kein Pomp und Gloria, noch nicht einmal den Doktortitel führt man hier in San Michele im Einzelgrab 2 Meter über der Erde statt 6 Fuss darunter. Auch ein paar Prominente hat es in Venedig “erwischt”, was vermutlich ein rein statistisches Phänomen ist, denn in einer Stadt, die allerlei Prominenz und Berühmtheit angezogen hat, kommt es auch vor, dass der eine oder die andere davon stirbt. Und nicht jede*r davon hat sich dann per Sonderwagen mit dem Zug nach Bayreuth bringen lassen um im Garten der Villa Wahnfried bestattet zu werden. So besuchen wir Joseph Brodsky und Igor Strawinsky, lassen Ezra Pound rechts liegen und fragen uns, welche Rolle eine Stimmgabel im Werk von Christian Doppler gespielt haben mag.

Mit einem gut gefüllten Vaporetto geht es dann weiter nach Murano. Man merkt, dass jetzt Wochenende ist, die Stadt ist spürbar stärker besucht als am Donnerstag und Freitag, und nicht wenige wollen sich auch die berühmten Glasbläser ansehen. Murano ist seit dem späten 13. Jahrhundert Sitz der Glasbläserkunst. Man hat die Handwerker hierher “verbannt”, weil der Rauch und die Brandgefahr in der Stadt Venedig ein zu grosses Risiko darstellten, und hat so 700 Jahre Handwerks- und Kunsthandwerksgeschichte in einer Kolonie geschaffen, die sich Konkurrenz gemacht hat und gleichzeitig gegenseitig befruchtet. Es gibt ein Museum zum Muranoglas, aber Museum wäre nur unser Plan B für Schlechtwetter gewesen. Wir spazieren an den Kanälen entlang und picknicken auf einer derzeit ungenutzten Restaurantterrasse mit ein paar Tauben bevor wir uns dann doch ein wenig Kunst zu Gemüte führen: den Mosaikboden in der Kirche der Heiligen Maria und Donatus, an der man den byzantinischen Einfluss in der Lagune von Venedig schon recht deutlich merkt. Einen alten Bekannten treffen wir hier auch: Szent Gellért, einer der wichtigsten Heiligen Ungarns war nämlich aus dem Veneto und so findet sich hier ein Teil seiner Reliquien. Wohin sich der Rest davon verstreut hat, wollen wir so genau garnicht wissen und auch die Frage, welcher Donatus hier an welchem Tag genau verehrt wird, hat uns etwas verwirrt.

Abendessen gibts im Lokal von Donnerstag. Man muss ja nur reservieren, dann gibt es auch Platz. Das Telefon abheben muss man auch, denn die Gäste sind notorisch unzuverlässig und sagen nicht ab, also wird am frühen Abend angerufen, ob man weiterhin plant um 9 in der Osteria zu erscheinen. Wir hätten Stockfisch, Gnocchi mit Lamm und Orange Wine verpasst, hätten wir nicht abgehoben. Unverzeihlich wäre das gewesen!

Die Fotos

Fediverse reactions


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