Tag 18: Ústí nad Labem – Pra­ha & Wien

⌴ 125.2km ⋅ ◿ 552hm ⋅ ◺ 513hm ⋅ ⤓ 141m ⋅ ⤒ 289m ⋅ ☀︎ 30°C ⋅ ◷ 8:40:50 ⋅ Σ 1382km

Wenn ihr das lest, sind wir ver­mut­lich schon in Wien. Also ziem­lich sicher schon in Wien, denn wir sit­zen in einem Zug, der von der ČD betrie­ben wird und die hat es irgend­wie geschafft den pünkt­lich von Ham­burg nach Prag zu brin­gen, also ver­trau­en wir dar­auf, dass sie das auch auf der zwei­ten Hälf­te zusam­men­brin­gen. Bevor ich es ver­ges­se: wir haben euch auch etwas mit­ge­bracht: den Herbst. Der rei­tet heu­te Nacht als Kalt­front in Öster­reich ein und danach gibt es angeb­lich „nor­ma­les“ Sep­tem­ber-Wet­ter, also hof­fent­lich einen Som­mer der älte­ren Damen.

Davor aber sind wir heu­te noch in den Som­mer zurück­ge­kehrt, mit 33 Grad Tages­höchst­tem­pe­ra­tur. Da sind wir nicht mehr dran gewöhnt, aber sich neu zu akkli­ma­ti­sie­ren zahlt sich jetzt auch nicht mehr aus. War also anstren­gend, was nicht nur an der Tem­pe­ra­tur gele­gen hat, son­dern auch an unse­rem liebs­ten Beglei­ter in den letz­ten Tagen, dem Wind. Von Ústí nad Labem nach Prag sind es etwas über 120 Kilo­me­ter und auf etwas über 120 davon hat­ten wir Gegen- oder zumin­dest Seitenwind.

Ansons­ten ist der tsche­chi­sche Teil des Elbe-Rad­wegs bzw. sei­ne Fort­set­zung ent­lang der Mol­dau durch­aus anspruchs­voll zu fah­ren, auch wenn er kaum Stei­gun­gen hat. Die Stre­cke ist näm­lich nicht durch­gän­gig asphal­tiert, teil­wei­se sind wir auch Schot­ter und ein kur­zes Stück auf einer Abkür­zung, die nicht Teil der offi­zi­el­len Rou­te ist, auf einer san­di­gen Pis­te. Alles fahr­bar, aber anstren­gend für die Hän­de. Was uns auf­ge­fal­len ist: Wir fah­ren die Elbe hin­auf, aber der Fluss wird immer brei­ter? Ja, denn es gilt auch hier: jeder Trop­fen Was­ser, der über Tsche­chi­en fällt, muss min­des­tens ein­mal von einem Kajak befah­ren und min­des­tens ein­mal in einem Kraft­werk auf­ge­staut wor­den sein, und so fah­ren wir im Grun­de die Rück­stau­be­rei­che der Elbe-Kraft­wer­ke nach bis wir in Rich­tung der Mol­dau abbiegen. 

Schon ges­tern ist uns auf­ge­fal­len, dass der tsche­chi­sche Elbe-Rad­weg viel weni­ger stark befah­ren ist als der deut­sche. Wir hal­ten das für einen Feh­ler! Die Land­schaft ist eben­so sehens­wert wie jen­seits der Gren­ze, man fährt an einer Rei­he von hüb­schen Städ­ten und Schlös­sern vor­bei und selbst wenn die Stre­cke etwas sport­li­cher und nicht durch­gän­gig auto­frei ist, die tsche­chi­schen Autofahrer:innen beis­sen nicht. Das mit der Ver­pfle­gung ist sogar noch ein­fa­cher, weil in der Sai­son alle paar Kilo­me­ter ein Kiosk mit Bier, Kuchen, Eis und Toast steht. Es gibt als über­haupt kei­nen Grund in Bad Schand­au kehrt zu machen.

„Spas­sig“ auf eine etwas spe­zi­el­le Art ist nur die Stadt­ein­fahrt nach Prag. Hier geht es ca. 25 Kilo­me­ter vor unse­rem Ziel­bahn­hof zuerst auf einen Hügel, dann steil wie­der run­ter und dann ent­lang der Mol­dau in die Stadt. Unglaub­li­che Men­gen von Renn­rad fah­ren­den Men­schen kom­men uns ent­ge­gen, allein, zu zweit oder in klei­nen Grup­pen, alle sehr syl­ish unter­wegs auf Rädern, die nicht ganz bil­lig aus­se­hen und es auch nicht sind. Hier nimmt man die After-Work-Run­de sehr ernst, viel­leicht weil es die letz­te des Som­mers ist? Für lang­sa­me­re Rad­fah­ren­de oder gar Kin­der, Spaziergänger:innen oder Läufer:innen ist der Weg an der Mol­dau kein Spass und wird auch kaum benutzt. Nur ein paar Unbe­irr­ba­re auf Inline-Skates sind unter­wegs und wer­den mit wag­hal­si­gen Manö­vern über­holt. Dar­in haben wir schon Übung, denn in Brno ist es genauso.

Klei­nes Fazit zum Urlaub ins­ge­samt: Die Minus­punk­te bekom­men die DB und das Wet­ter. Und mir sel­ber muss ich auch ein paar geben, denn ich habe zu viel Klei­dung ein­ge­packt für schlech­tes Wet­ter, dem wir dann aber davon gefah­ren sind und das daher nur Bal­last war. Viel wich­ti­ger: Die Gegend an der Ost­see gefällt uns. Wir wür­den dort gern mal wie­der hin­fah­ren, abhän­gig vom Wet­ter, das man dort an der Küs­te aber so schlecht vor­her­se­hen kann. Gibt ja auch noch ein schö­nes Stück deut­scher und pol­ni­scher Küs­te, das wir noch nicht gese­hen haben, und auf Rügen waren wir auch nur ganz kurz. Ist der Juni da eine gute Rei­se­zeit? Auch der Aus­flug nach Schles­wig-Hol­stein und Däne­mark war inter­es­sant, dort zieht es uns aber weni­ger hin. Viel­leicht mal nach Kopen­ha­gen? Jetzt, an der Elbe, hat es uns wie­der sehr gut gefal­len, vor allem Leip­zig (das nicht an der Elbe liegt, ja, ich weiss) und der tsche­chi­sche Teil. Passt.

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    Ústí nad Labem – Praha

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