Tag 17: Dres­den – Ústí nad Labem

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„Es war nicht alles schlecht unterm Kom­mu­nis­mus“, sagt der eine oder die ande­re und viel­leicht haben sie damit auch recht. Nicht zu den gros­sen Errun­gen­schaft des Real­so­zia­lis­mus gehört aller­dings der Hotel­bau. Hin und wie­der tref­fen wir auf ein ehe­ma­li­ges „Hotel Inter­na­tio­nal“ oder so und ich glau­be es erfor­dert ech­te Meis­ter­schaft auf dem Gebiet der Innen­ar­chi­tek­tur aus so einem Klotz etwas zu machen, das nicht aus­sieht wie, naja wie ein sozia­lis­ti­sches Hotel eben. Rie­si­ge Lob­by ohne Ein­rich­tung und dem­entspre­chend mit einem ziem­li­chen Hall, in einem Hoch­haus, lan­ge Gän­ge, Beleuch­tung in kalt-weiss. Aber viel­leicht ist das auch ein­fach eine 70er/80er Jah­re Sache? So ganz fremd sind ist uns die­ser Ein­rich­tungs­stil ja auch in Öster­reich nicht, den­ke ich gera­de. Egal: das Hotel ist vor­han­den und sau­ber, hat Dusche und Früh­stück und einen Raum für Fahr­rä­der, denen die Beleu­chung im Stil einer Pro­sek­tur bekannt­lich egal ist. 

Wir blei­ben nicht lang im Zim­mer, denn wir müs­sen kein Rad­ge­wand mehr waschen, son­dern machen uns auf den Weg zum Bahn­hof. Ústí nad Labem liegt, wie der Name schon sagt, an der Elbe, die hier Labe heisst. Es liegt aber auch an meh­re­ren Eisen­bahn­li­ni­en, die alle mehr oder min­der durch das Stadt­zen­trum geführt wer­den. Von Dres­den nach Prag, von Prag nach Dres­den führt die Haupt­re­la­ti­on ent­lang der Elbe, die wir mor­gen auch neh­men wer­den, aber man hat hier auch am zwei­ten Ufer Glei­se, eine Brü­cke und etwas, das mit schwe­ren Güter­zü­gen von Wes­ten kommt. Quer drü­ber schwebt der feuch­te Traum gewis­ser Wie­ner Lokal­po­li­ti­ker mit Vor­arl­berg-Con­nec­tion: zwi­schen einem Hotel auf dem Berg und dem Ein­kaufs­zen­trum mit­ten in der Stadt gibt es doch tat­säch­lich eine Seilbahn! 

Ein­kaufs­zen­trum mit­ten in der Stadt? Ja, die zen­tral gele­ge­ne Kir­che ist gleich­sam umringt von den Bau­ten des Ein­kaufs­zen­trums. Ústí hat wegen eines Flie­ger­an­griffs 1945 eine gan­ze Rei­he Bau­lü­cken gehabt, die mit die­sem Shop­ping­cen­ter jetzt gefüllt sind. Auch sonst: so eini­ges an Bau­ten aus allen Peri­oden der Stadt­ge­schich­te, kei­ne Stadt, die man auf den ers­ten Blick als „schön“ bezeich­nen wür­de. Eine Indus­trie­stadt halt, ein loka­les Ver­wal­tungs­zen­trum, ein Eisen­bahn­kno­ten­punkt, modern und zweck­mäs­sig. Nach dem baro­cken Über­schwang von ges­tern durch­aus erholsam.

Wir spa­zie­ren durch die Stadt, die eine inter­es­san­te Geschich­te hat. Vom 30-jäh­ri­gen Krieg schwer getrof­fen wur­de sie nach 1800 und vor allem nach dem Anschluss an die Eisen­bahn ab 1850 zum indus­tri­el­len Zen­trum. Ein Unter­neh­men, das aus Ústí, damals Außig, stammt, ken­nen ver­mut­lich alle: von hier stammt die unter dem Namen „Schicht-Sei­fe“ oder „Hirsch-Sei­fe“ bekann­te Sei­fe, die Her­stel­ler­fir­ma Schicht war eines der gröss­ten Che­mie-Unter­neh­men der Mon­ar­chie und wur­de in den 1920er Jah­ren zu einem Teil von Uni­le­ver. Hirsch-Sei­fe, OMO Wasch­mit­tel und Thea Mar­ga­ri­ne wur­den damals erfun­den, und die gibt es heu­te noch. Wen die Geschich­te der Fir­ma, vor allem aber die der Fami­lie dahin­ter inter­es­siert: Radio Prag Inter­na­tio­nal dazu vor eini­ger Zeit eine Sen­dung gemacht (König­reich der Sei­fen­bla­sen). Ansons­ten hat die Stadt eine Geschich­te wie vie­le Städ­te im Grenz­ge­biet zwi­schen tsche­chi­schen und deutsch­spra­chi­gen Gebie­ten: Anne­xi­on, Ver­nich­tung der jüdi­schen Gemein­de, Zwangs­ar­beit, nach dem Krieg dann ein Mas­sa­ker an Deut­schen und die Ver­trei­bung. Die Geschich­te Mit­tel­eu­ro­pas eben, an die man auch in die­sen Zei­ten (gera­de in die­sen Zei­ten und bei die­sen Wahl­er­geb­nis­sen) nicht oft genug erin­nern kann.

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Ein Kommentar zu „Tag 17: Dres­den – Ústí nad Labem“

  1. Ich ver­ste­he das Hotel­bas­hing nicht 😅

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