Tag 16: Leip­zig – Dresden

⌴ 115.3km ⋅ ◿ 708hm ⋅ ◺ 633hm ⋅ ⤓ 40m ⋅ ⤒ 207m ⋅ ☀︎ 22°C ⋅ ◷ 6:47:15 ⋅ Σ 1164km

Leip­zi­ger Ler­chen sind sehr gehalt­voll. Anders als ihre Vor­gän­ger, die angeb­lich tat­säch­lich Sing­vö­gel ent­hal­ten haben, bestehen die heu­ti­gen „Ler­chen“ aus Mürb­teig und Man­del­fül­lung, ich schät­ze sie auf min­des­tens 500 kcal pro 100 g. So ein Ding ist also qua­si eine Haupt­mahl­zeit und das ist gut, denn es gibt auf unse­rer heu­ti­gen Stre­cke kei­ne ande­ren Haupt­mahl­zei­ten, ja noch nicht ein­mal eine geöff­ne­te Tank­stel­le oder einen Döner­la­den. Doch einen Döner­la­den gibt es dann doch, aber davon wuss­te Goog­le nichts und dar­auf woll­ten wir uns bei der Rou­ten­pla­nung nicht ver­las­sen. Es ist sogar ein sehr net­ter Laden, man ver­kauft uns kal­tes Cola und bie­tet sogar an die Was­ser­fla­schen für die Wei­ter­fahrt auf­zu­fül­len. Ansons­ten hät­te Mügeln, wo sich der Döner­la­den befin­det, auch eine Schmal­spur­bahn mit Dampf­be­trieb, aber lei­der nicht die­ses Wochen­en­de. Da der Die­sel­trieb­wa­gen auf der Stre­cke nur wochen­tags ver­kehrt, ist auf dem Bahn­hof heu­te gar­nichts los, nur ein paar Wag­gons ste­hen rum.

„Nichts los“ beschreibt die ers­ten 90 Kilo­me­ter der heu­ti­gen Tour fast voll­stän­dig. Wir bewe­gen uns hügel­auf und hügel­ab durch ein etwas grü­ne­res Wein­vier­tel durch Dör­fer, in denen ent­we­der nie­mand wohnt oder alle gera­de beim Mit­tag­essen sit­zen. 4 Stun­den lang zu Mit­tag zu essen – das muss man auch mal schaf­fen, aber aus­ser dem Döner­ver­käu­fer und 2 jun­ge Leu­ten, die sich dort gera­de eine Por­ti­on Döner mit Pom­mes holen, sehen wir wirk­lich nie­mand. Nein, ich habe die Frau mit Ber­ner Sen­nen­hund ver­ges­sen und eine klei­ne Hand­voll Rad­fah­ren­de sind uns auch ent­ge­gen gekom­men. Es wird gegrüsst. 

Mit dem Ein­bie­gen auf den Ele­be­rad­weg in Mei­ßen ändert sich das schlag­ar­tig. Die Rad­rei­sen­den sind zwar schon weg, aber dafür fah­ren hier jede Men­ge Gra­vel­bikes und Renn­rä­der auf und ab wie auf der Grei­fen­stein­run­de. Spaziergänger:innen gibt es auch und das gan­ze auf einem schma­len Rad­weg zwi­schen Fluss und Bun­des­stras­se. Wir hof­fen, dass es mor­gen unter­tags etwas ruhi­ger ist, da haben wir näm­lich 90 Kilo­me­ter Elbe­rad­weg vor uns.

Die Nacht ver­brin­gen wir in Dres­den oder „Euro-Dis­ney­land“, wie ein böser Mensch mal gesagt hat. Irgend­wie hat er damit ja auch Recht, das Zen­trum von Dres­den mit den Elb­ter­ras­sen, der Oper, der Brü­cke davor und natür­lich der Frau­en­kir­che wir­ken fast zu har­mo­nisch und ein­heit­lich, auch wenn sie natür­lich in unter­schied­li­chen Jahr­hun­der­ten erbaut und dann, nach den Zer­stö­run­gen im Zwei­ten Welt­krieg, wie­der auf­ge­baut wor­den sind. Viel­leicht liegt es dar­an, dass das Barock ein­fach nicht unse­re bevor­zug­te Peri­ode ist, viel­leicht dar­an, dass das alles so uni­form-sau­ber-ordent­lich ist wie ein Out­let-Cen­ter, aber wäh­rend ich mir Leip­zig jeder­zeit ger­ne näher anse­hen wür­de, reizt mich Dres­den noch immer nicht beson­ders. Ob es ein Zufall ist, dass die Sta­tue von August dem Star­ken, der „gol­de­ne Rei­ter“ am Ost­ufer Dres­den den Rücken zuwen­det? Nein, das ist sicher der Tat­sa­che geschul­det, dass er nicht nur säch­si­scher Kur­fürst war son­dern auch gleich zwei­mal pol­ni­scher König. Und das Gold zeigt, dass wohl bei­des nicht ganz bil­lig war, weder das Barock noch der Erwerb einer Königs­kro­ne. Kunst­his­to­ri­ke­rin wird aus mir auch kei­ne mehr…

Wir spa­zie­ren am Ufer der sehr mager gewor­de­nen Elbe ent­lang. Ent­lang heisst, dass wir uns teil­wei­se auf dem Grund des Flus­ses bewe­gen, was aber auch nicht schwer ist, das Ufer ist an der Ost­sei­te sehr flach. Uns fehlt natür­lich der Ver­gleich, wie der Fluss sonst im Som­mer aus­sieht, aber die Mel­dun­gen von der Ein­stel­lung der Schif­fahrt und dem Auf­tau­chen der „Hun­ger­stei­ne“ waren auch in Öster­reich zu lesen.

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