Tag 14: Stral­sund & Nie­der­görs­dorf – Wittenberg

⌴ 33.2km ⋅ ◿ 188hm ⋅ ◺ 206hm ⋅ ⤓ 10m ⋅ ⤒ 118m ⋅ ☀︎ 22°C ⋅ ◷ 2:05:41 ⋅ Σ 962km

Die heu­ti­ge Fahrt mit dem Regio­nal­zug hat unse­re Pünkt­lich­keits­quo­te auf 50% geho­ben, wird aber trotz­dem auf abseh­ba­re Zeit die letz­te gewe­sen sein. Nach weni­gen Sta­tio­nen ist der Zug voll, kurz dar­auf über­voll, und das ist der Zeit­punkt, zu dem man dann merkt, dass im Wagen die Lüf­tung nicht funk­tio­niert. Merkt man auch am Ver­hal­ten der ande­ren Fahr­gäs­te, die alle irgend­wie müde aus­se­hen, und sogar die Grup­pe von 13-Jäh­ri­gen, mit der wir den Wagen tei­len, ist erstaun­lich ruhig. Nach unten oder in einen ande­ren Wagen flüch­ten ist nicht mehr mög­lich, also berei­te ich mich see­lisch auf die von so etwas fast mit Garan­tie ein­tre­ten­den Kopf­schmer­zen vor. Kurz vor Ber­lin kommt die Lüf­tung dann wie­der, ein Auf­at­men geht buch­stäb­lich durch den Zug. Nach dem Fahr­gast­wech­sel ist dann auch weni­ger los, doch ca. 50 Kilo­me­ter vor unse­rem Ziel in Wit­ten­berg wer­den wir zwangs­ge­bremst. Kurz haben wir kei­nen Strom und für unse­ren Wag­gon kommt der auch nur teil­wei­se wie­der. Schon wie­der kei­ne Lüf­tung. Ich will eigent­lich nur mehr raus, am bes­ten beim nächs­ten Bahnhof. 

Der nächs­te Bahn­hof ist der von Nie­der­görs­dorf, einem Ort in the midd­le of nowhe­re, 32 Kilo­me­ter vor dem Ziel. Muss man nicht ken­nen, wird jetzt aber zur Kulis­se unse­res heu­ti­gen per­sön­li­chen ost­deut­schen Road-Movies. 32 Kilo­me­ter durch die fast völ­lig fla­che Agrar­land­schaft. Der Trak­tor staubt über ein Kar­tof­fel­feld, wir freu­en uns, dass wir auf sei­ner Luv-Sei­te fah­ren. Es gibt jun­ge Haar­scha­fe, platt­ge­fah­re­ne Pflau­men und einen kom­plett aus­ge­trock­ne­ten Dorf­teich, in dem die See­ro­sen sehn­süch­tig in Rich­tung der grau-schwar­zen Wol­ken bli­cken. Es hat unge­wohn­te, fast heis­se, 27 Grad Cel­si­us. 32 Kilo­me­ter sind für uns nor­ma­ler­wei­se kei­ne Stre­cke, 32 Kilo­me­ter wahl­wei­se bei Gegen- oder star­kem Sei­ten­wind sind aber schon zach. Wir freu­en uns über jeden Baum bis aus dem Wind ein Sturm mit einem hef­ti­gen Regen­guss wird. Da freu­en wir uns nicht mehr ganz so sehr über die Bäu­me, könn­te uns ja jeder davon mit sei­nen Ästen be- oder gar sich auf uns wer­fen. Irgend­wo unter­stel­len ist nicht mehr, also fah­ren wir wei­ter durch das Unwetter.

So schnell das Unwet­ter gekom­men ist, so schnell ist es auch wie­der vor­über­ge­zo­gen, in Wit­ten­berg fah­ren wir fast tro­cken geföhnt ein, doch das ist nur eine kur­ze Regen­pau­se. Der übli­che Abend­spa­zier­gang mit etwas Sight­see­ing fällt des­halb heu­te aus, zum zwei­ten Mal schon, denn auch 2017 auf der Tour nach Ber­lin war es nicht anders. Dafür aber hat die hit­ze­ge­plag­te hie­si­ge Gegend jetzt end­lich wie­der etwas Was­ser abbe­kom­men, wir ver­gön­nen es ihr und fra­gen uns, wie es wohl der­zeit in Wien und Umge­bung aussieht.

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    Stral­sund – Stral­sund
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