Tag 11: Wis­mar – Rostock

⌴ 74.0km ⋅ ◿ 411hm ⋅ ◺ 399hm ⋅ ⤓ 2m ⋅ ⤒ 67m ⋅ ☀︎ 23°C ⋅ ◷ 4:53:12 ⋅ Σ 804km

Wer wis­sen will, was pas­siert, wenn Back­stein­go­tik auf Sta­li­nis­mus trifft, kann sich das hier in Ros­tock anse­hen. In den 1950er Jah­ren hat man dem wich­tigs­ten Hafen der DDR eine Pracht­stras­se für ein wür­di­ges neu­es Zen­trum spen­diert, gleich­sam die Ber­li­ner Karl-Marx-Allee, aber eben in Back­stein. Das Zen­trum der Stadt ist dort aber nicht, das dort geblie­ben, wo es seit dem Mit­tel­al­ter ist. Städ­te las­sen sich ihr Zen­trum nicht gern so ein­fach irgend­wo anders hin ver­le­gen. Statt­des­sen spielt sich das Leben in der FuZo ab, die über den Uni­ver­si­täts­platz mit Neo-Renais­sance Uni-Haupt­ge­bäu­de führt. Eine Uni hat man hier schon 1419 gegrün­det, es war die ers­te an der Ost­see. Wir spa­zie­ren durch die Stadt auf der Suche nach einer Buch­hand­lung, die noch geöff­net hat und mir neu­en Lese­stoff zum Erzäh­len wäh­rend des lan­gen Rad­fah­rens verkauft.

Kapi­tel­wei­se Bücher lesen, erzäh­len und über das Gele­se­ne dis­ku­tie­ren, das hat uns schon über die eine oder ande­re lang­wei­li­ge Land­schaft geret­tet. Hier braucht es das eigent­lich gar­nicht, hier herrscht Abwechs­lung zwi­schen wel­li­gen Fel­dern und Ost­see­bä­dern. Eines davon trägt den etwas schrä­gen Namen „Küh­lungs­born“, der aber nicht davon kommt, dass es hier beson­ders frös­te­lig wäre, „Küh­lung“ ist ein­fach nur der Name einer Hügel­ket­te im Süden des Orts. Soll sein, warm ist es heu­te aber trotz­dem nur in der Son­ne. Sobald man in den Schat­ten kommt, merkt man den für uns hef­ti­gen Wind schon recht ordent­lich, das Mit­tag­essen dau­ert daher nicht sehr lan­ge. Danach kommt dann fahr­plan­mäs­sig eine der gros­sen Sehens­wür­dig­kei­ten der Gegend, für eini­ge sicher die wich­tigs­te: der Mol­li fährt von Küh­lungs­born und 15 Kilo­me­ter nach Bad Doberan. Der Mol­li, das ist die hie­si­ge Bäder­bahn: 900 mm Spur­wei­te mit Dampf, und in Bad Doberan eigent­lich eine Stras­sen­bahn, die sich durch die enge Stras­se zwängt. In Küh­lungs­born hat man einen ech­ten Bahn­hof mit Lok­schup­pen, Wass­er­kran und ein paar Aus­stel­lungs­stü­cken im „Mol­li Muse­um“. Die Züge ver­keh­ren stünd­lich in bei­de Rich­tun­gen und ein­mal zieht die Lok den Zug ver­kehrt her­um. In Küh­lungs­born fährt sie man­gels Dreh­schei­be auf dem Nach­bar­gleis um den Zug her­um, wird mit Was­ser auf­ge­tankt und vor­ne wie­der ange­hängt, dies­mal mit dem Kes­sel nach vor­ne. Man könn­te mit dem Bim­melb­ähn­le auch mit­fah­ren, sogar Fahr­rä­der wer­den in einem eige­nen Wagen trans­por­tiert, wir aber fah­ren lie­ber die Stre­cke sel­ber und tref­fen in Bad Doberan wie­der auf den Zug. Hier fah­ren 2 Dampf­zü­ge pro Stun­de durch die FuZo im Stadt­zen­trum und wenn man ver­gleicht, was für ein Gewe­se das Tech­ni­sche Muse­um Brno jedes Jahr um die Dampf-Fahrt der Caro­li­ne macht, ist es fast ent­täu­schend nor­mal: kei­ne Poli­zei-Eskor­te mit Blau­licht, kei­ne nach­fah­ren­de Feu­er­wehr, ein­fach nur ÖPNV in his­to­ri­schem Gewand. Die Lok raucht noch nicht ein­mal beson­ders stark, im Gegen­satz zur Caro­li­ne, die man schon von Fer­ne hören und v.a. rie­chen kann. Eisen­bahn­fans fin­den den Mol­li trotz­dem. Ist das die letz­te Dampf­ei­sen­bahn im regu­lä­ren Fahr­bahn­be­trieb in Deutsch­land oder gibt es da noch ande­re, fra­gen wir uns. Und dann fra­gen wir Goog­le. Nein, es gibt noch mehr Dampf­di­no­sau­ri­er, und einen davon könn­ten wir über­mor­gen besu­chen, denn auch auf Rügen fährt man noch mit Kohle.

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    Wis­mar – Rostock

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