Wien – Deutschkreutz

⌴ 111.8km ⋅ ◿ 796hm ⋅ ◺ 767hm ⋅ ⤓ 153m ⋅ ⤒ 381m ⋅ ☀︎ 30°C ⋅ ◷ 6:27:29

Wenn man im Osten des Lan­des auf einem Hügel steht und den Blick über die Land­schaft schwei­fen lässt, könn­te man mei­nen, dass alles ist wie jedes Jahr um die­se Zeit. Das Getrei­de ist schon abge­ern­tet, ein paar Fel­der schon gepflügt, dazwi­schen ste­hen noch Mais, Son­nen­blu­men, Zucker­rü­ben, Soja und in lan­gen Rei­hen der Wein. Dann besteigt man das Fahr­rad und rollt den Hügel hin­un­ter und wird immer stil­ler. Aus der Nähe betrach­tet sind die Wie­sen nicht ein­fach nur som­mer­lich tro­cken son­dern ver­dörrt. Wir füh­len uns an den Som­mer 2019 erin­nert, wo es im fran­zö­si­chen Bur­gund ähn­lich aus­ge­se­hen hat wie heu­er in Öster­reich. Ich kann mich nicht erin­nern, ob es dort auch die­se Zwerg­son­nen­blu­men gege­ben hat, kaum hüft­ho­he Pflan­zen­zom­bies mit win­zi­gen Körb­chen, oder den sem­mel­blond ver­trock­ne­ten Mais, der es nicht ein­mal geschafft hat einen Kol­ben zu bil­den. Was nicht irgend­wann in den letz­ten 4 Mona­ten zufäl­lig einen der zu weni­gen und wenig ergie­bi­gen Regen­güs­se abge­kriegt hat oder bewäs­sert wur­de, kann man heu­te schon als Ern­te­aus­fall abschreiben.

Halb­lee­re Flüs­se, zu war­me Seen, ver­dörr­te Wie­sen und Fel­der, Sträu­cher und Bäu­me im Herbst­laub, und dazwi­schen liegt Wien bei über 40 Grad. Das ist kei­ne „Hit­ze-Panik“, das ist auch kei­ne Übung. So sieht die Kli­ma­ka­ta­stro­phe in Ost­ös­ter­reich aus, die gewis­se Poli­ti­ker für einen ganz nor­ma­len Som­mer hal­ten. Ein sol­cher ist es höchs­tens für den Wein, dem es in der Hit­ze noch ganz pas­sa­bel zu gehen scheint. Man erwar­tet eine gute Ern­te. Die wird uns dabei hel­fen den heu­ri­gen Som­mer zu ver­ges­sen. Und dann sind wir im Juni 2027 wie­der ganz über­rascht, wie heiss es plötz­lich schon wie­der ist, hier auf dem Fried­hof, beim Begräb­nis eines älte­ren Ver­wand­ten. Und dann sagt jemand: „naja, er war ja auch schon alt, und das Herz war nicht mehr so gut.“

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Ein Kommentar zu „Wien – Deutschkreutz“

  1. @lechat

    Wohl­an, edle Chronist:innen der pedal­ge­trie­be­nen Land­ver­mes­sung, euer Bericht hat auch in den Hal­len der Zwölf Wider­hall gefunden.

    Denn auch mei­ne Wenig­keit blick­te einst, in den frü­hen Jah­ren der noch jun­gen Mil­len­ni­al­zeit, Tage über Tage und Näch­te über Näch­te über die­sel­ben Hügel, Ebe­nen und Grenzlinien.

    Mit den sol­da­ti­schen Getreu­en stand er dort als Grenz­hü­ter, die Augen gen Fer­ne gerich­tet, bereit, abzu­weh­ren, was — bei nüch­ter­ner und huma­nis­ti­scher Betrach­tung — wohl nie­mals hät­te abge­wehrt wer­den sollen.

    Schon damals las­te­te die Hit­ze schwer auf Mensch, Mate­ri­al und Gemüt. Die Son­ne brann­te auf die Fel­der, der Staub kroch in jede Rit­ze der Aus­rüs­tung, und wir waren betrübt bei dem Gedan­ken, wel­che Som­mer noch kom­men und wel­che Ern­ten viel­leicht nicht mehr sein würden. 

    Damals fehl­ten uns noch die Wor­te für das, was sich heu­te so unüber­seh­bar vor uns aus­brei­tet; doch die Ahnung stand bereits zwi­schen den ver­trock­nen­den Gräsern.

    So sei ver­si­chert: Euer Bericht berei­tet kei­ner­lei Freu­de über den Zustand die­ser Lan­de. Wohl aber spen­det die Kun­de Trost, dass noch Men­schen hin­aus­zie­hen, hin­se­hen, benen­nen und die ver­wun­de­te Land­schaft nicht bloß als gewöhn­li­chen Som­mer abtun.

    Mögen eure Räder rol­len, eure Was­ser­fla­schen stets gefüllt und eure Schat­ten­plät­ze zahl­reich sein. Und mögen jene, die noch immer von „ganz nor­ma­lem Som­mer“ spre­chen, wenigs­tens ein­mal vom Sat­tel stei­gen und sich die Fel­der aus der Nähe ansehen.

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