Tag 2: Itze­hoe – Schleswig

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Rosen ste­hen jeder Innen­stadt gut. Ich glau­be sogar die FuZo von Bre­mer­ha­ven wür­de davon pro­fi­tie­ren, wenn an den Beton­fas­sa­den rote, rosa, gel­be und oran­ge Rosen­bü­sche wüch­sen. Wenn die Innen­stadt aber auch noch ein pit­to­res­kes Ensem­ble von Klin­ker- und Fach­werk­häu­sern ist, dann kann ich nicht anders als jedes der Häu­ser (und beson­ders die davor ste­hen­de Rose) ganz genau zu beschnup­pern. Die alte Stadt Schles­wig hat sol­che ein Alt­stadt-Rosen-Ensem­ble, der Orts­teil Holm ein zwei­tes. Holm, das ist ein aus­ge­spro­chen insta­gramma­bles altes Fischer­dorf, frü­her eine Insel in der Schlei, mit stim­mungs­vol­lem Fried­hof in der Orts­mit­te, nied­ri­gen Häu­sern in Klin­ker und Fach­werk und fast frei von Auto­ver­kehr. Ein wenig wie ein Frei­licht­mu­se­um wirkt es aber schon, vor allem, weil hier am Sonn­tag am spä­ten Nach­mit­tag und am Abend ein­fach nichts mehr offen hat. Das macht aber nichts, denn es hat Rosen!

Schles­wig liegt am Ende der Schlei. Was die ist, da ist man sich nicht so einig: es ist kein Fluss, denn das wür­de vor­aus­set­zen, dass er irgend­wo ent­springt, und das tut die Schlei nicht, sie hat kei­ne Quel­le. Es ist auch kein Fjord, das näm­lich setzt defi­ni­ti­ons­ge­mäss vor­aus, dass der Fjord eis­zeit­lich in einem Gebir­ge ent­stan­den ist. Gebir­ge ist hier aber nicht, wir sind in Nord­deutsch­land. Also eine För­de oder doch ein „Bod­den­ge­wäs­ser“? Sie ist jeden­falls kein Süss­was­ser, aber auch nicht so sal­zig wie ein Mee­res­arm, es riecht hier noch nicht ein­mal nach Meer und auch die übli­chen Möwen, die ich mit dem Meer im Nor­den ver­bin­de (die, die immer so laut her­um­krei­schen), scheint es hier nicht zu geben. Für Men­schen aber ist der Ort schon lan­ge ein attrak­ti­ver Lebens­ort, gleich hier um die Ecke war die berühm­te Wikin­ger­stadt Hait­ha­bu, und auch Schles­wig war schon im Hoch­mit­tel­al­ter ein wich­ti­ger Ort hier im Nor­den und ist seit über 1000 Jah­ren Bischofs­sitz, das Bis­tum gegrün­det vom sel­ben Otto, dem auch Mag­de­burg sei­nen Dom ver­dankt. Den hie­si­gen hät­ten wir uns ganz gern ange­se­hen, doch die Amts­stun­den waren mit unse­rer Ankunfts­zeit nicht ver­ein­bar. So wer­fen wir nur von aus­sen ein paar Bli­cke dar­auf. Ist schon eine gan­ze Men­ge Ziegel!

Schuld an der spä­ten Ankunft war dies­mal nicht das Wet­ter. Ok, das auch ein wenig, dau­ernd Ärmel aus, Ärmel an, Regen­ja­cke über­zie­hen, wie­der aus, das kos­tet auch Zeit, wenn auch nicht so viel wie ges­tern. Ich muss ein­fach akzep­tie­ren, dass hier das Wet­ter eines ost­ös­ter­rei­chi­schen Okto­ber herrscht, also gibts ab jetzt Arm­lin­ge und Wind­ja­cke, hilft ja nichts.

Was uns tat­säch­lich Zeit gekos­tet hat, war aber etwas ande­res. Etwas, von des­sen Exis­tenz wir ges­tern erst erfah­ren haben. Hier bei Schles­wig haben die Dänen im 8. Jahr­hun­dert begon­nen einen Wall zu errich­ten, der die natür­li­che Gren­ze der sump­fi­gen Eider im Wes­ten und der Schlei im Osten ergänzt hat. Das mit dem befes­ti­gen Wall gegen Fein­de kommt auch immer wie­der in Mode, vom römi­schen Limes über die Kuruz­z­enschan­zen, die Wäl­le bzw. Ideen dazu im Zwei­ten Welt­krieg bis zum „anti­fa­schis­ti­schen Schutz­wall“ quer durch Ber­lin. Ein Erfolgs­mo­dell ist die Idee aber nicht unbe­dingt. Der hie­si­ge Wall wur­de in dem 12. Jahr­hun­dert unter dem König Wal­de­mar um eine meh­re­re Kilo­me­ter lan­ge Zie­gel­mau­er erwei­tert. Mil­lio­nen von Zie­geln im 12. Jahr­hun­dert zu erzeu­gen und an den Ort der Mau­er zu brin­gen, das ist schon eine logis­ti­sche Leis­tung! Mili­tä­ri­sche Bedeu­tung hat­te das „Dane­werk“ im Mit­tel­al­ter kaum, die Gren­ze lag zeit­wei­se deut­lich süd­lich davon. Erst im Krieg gegen Preus­sen und Öster­reich im Jahr 1864 wur­den der alte Wall teil­wei­se zur Ver­tei­di­gungs­an­la­ge aus­ge­baut. Gebracht hat das wenig, denn Däne­mark hat den Krieg und Schles­wig-Hol­stein ver­lo­ren. An dem klei­nen Stück Wall, das wir heu­te gese­hen haben, beein­dru­cken uns die­se Schan­zen aus dem 19. Jahr­hun­dert aber am meis­ten, zumin­dest solan­ge bis wir wis­sen, dass sie sich nicht über 800 Jah­re so gut gehal­ten haben son­dern nur gut 150. Übri­gens war auch Hait­ha­bu durch einen Wall geschützt, aber wie die­se Geschich­te aus­ge­gan­gen ist, wer­den wir uns mor­gen näher ansehen.

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5 Kommentare zu „Tag 2: Itze­hoe – Schleswig“

  1. Willi

    Scha­de, dass Ihr Euch die Rends­bur­ger Schwe­be­fäh­re unter der Hoch­brü­cke ent­ge­hen haben lasst, die wäre den kur­zen Umweg wert gewesen

    1. Damit sind wir vor eini­gen Jah­ren schon gefahren 😉

      1. Willi

        Na dann!

  2. @lechat Grü­ße am die Oma, die Glas­frau vom Holm!

    1. Ulrich

      @arappathor Da sind wir tat­säch­lich vor­bei gekom­men – war aber geschlossen.

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