Tag 10: Lübeck – Wismar

⌴ 74.9km ⋅ ◿ 505hm ⋅ ◺ 506hm ⋅ ⤓ 2m ⋅ ⤒ 60m ⋅ ☀︎ 24°C ⋅ ◷ 5:15:25 ⋅ Σ 731km

„Nos­fe­ra­tu“ von F. W. Mur­nau war der ers­te aus einer lan­gen Rei­he his­to­ri­scher Stumm­fil­me, die wir uns in den letz­ten Jahr­zehn­ten ange­se­hen haben. Wir haben näm­lich auch noch ande­re Hob­bies als das Rad­fah­ren und dazu gehört Stumm­film mit Live-Musik. In Wien haben wir da auch das gros­se Glück, dass es im Kon­zert­haus einen Zyklus mit ent­spre­chen­den Auf­füh­run­gen gibt, doch „unser“ ers­ter Nos­fe­ra­tu war eine Auf­füh­rung auf dem his­to­ri­schen Ret­zer Haupt­platz mit Musik des viel zu früh ver­stor­be­nen Aljoscha Zim­mer­mann. Die hat „klick“ gemacht und seit­her haben wir ein Abo im Kon­zert­haus. Der Vam­pir­film Nos­fe­ra­tu wur­de zum Teil in Lübeck gedreht (die Spei­cher­häu­ser), zum Teil in Wis­mar, und so macht es uns heu­te beson­de­ren Spass die Dreh­or­te auf­zu­su­chen und sich die Sze­nen noch ein­mal vorzustellen.

Das Zen­trum von Wis­mar gehört gemein­sam mit Stral­sund zum UNESCO Welt­erbe und wie es sich für einen sol­chen Ort gehört, ist es auf­wän­dig restau­riert. Dazu gehö­ren auch zwei der drei goti­schen Back­stein­kir­chen. Die Niko­lai­kir­che ist die­je­ni­ge Kir­che, die die Luft­an­grif­fe wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs qua­si unbe­scha­det über­stan­den hat. Kann man auch besich­ti­gen, für uns ein neu­er Kir­chen­stil. Goti­sche Kir­chen haben wir ja schon die eine oder ande­re besucht, aber bis­her vor­wie­gend aus Sand­stein. In Back­stein ergibt sich noch ein­mal ein ande­res Raum­ge­fühl, nicht so nüch­tern wie die fälsch­li­cher­wei­se weis­sen Kathe­dra­len, und irgend­wie wär­mer. Die Kir­che ist auch tat­säch­lich in Gebrauch, man könn­te sagen, sie lebt: es gibt einen Mit­tags­tisch „für alle“ unter­halb der Orgel, eine his­to­ri­sche Aus­stel­lung und eine Bücher­bör­se mit gespen­de­ten Büchern. Vor dem rie­si­gen Flü­gel­al­tar aus der Geor­gen­kir­che fin­det kurz vor dem Zusper­ren noch eine klei­ne Andacht statt, und davor unter­hal­ten sich die Gemein­de­mit­glie­der über Block­flö­ten aus dem 3D-Dru­cker (Urteil: klingt gar­nicht mal so schlecht). 

Die ande­ren bei­den gros­sen Back­stein­kir­chen hat der Krieg schwe­rer getrof­fen, das Lang­haus der Mari­en­kir­che hat man wegen zu gros­ser Schä­den 1960 sogar gesprengt. Scha­de drum, hat man sich inzwi­schen gedacht und den Grund­riss der Kir­che in Back­stein als gut 1 Meter hohe Mau­ern nach­ge­baut. Auch die­se Kir­che muss ziem­lich beein­dru­ckend gewe­sen sein, der heu­te noch ste­hen­de Turm ist es noch immer. Immer­hin kann man das Lang­haus so jeder­zeit besich­ti­gen, es ist eine Art Park. Im Gegen­satz zur Mari­en­kir­che hat St. Georg lan­ge genug gehal­ten, dass sie dann nach 1989 restau­riert wer­den konnte. 

Was gibt es noch? Einen 1 ha gros­sen Haupt­platz und reich­lich Gas­sen und Plät­ze mit alten Kauf­manns­häu­sern, die teil­wei­se sogar noch die Vor­rich­tun­gen an den Gie­beln auf­wei­sen, an denen die Rol­len des Las­ten­auf­zugs befes­tigt waren. Alles vor­bild­lich restau­riert und zu mei­nem Leid­we­sen durch­gän­gig gepflas­tert, wie es das auch in Lübeck schon war. Kopf­stein­pflas­ter sieht ja gut aus, das muss ich zuge­ben, aber für mein lädier­tes Knie ist der Nor­den hier ein har­tes Pflas­ter. Aus die­sem Grund besit­ze ich seit heu­te ein Paar Trek­king­schu­he, denn mit den Rad­schu­hen oder den prak­tisch zusam­men­roll­ba­ren Giess­wein wer­de ich hier nicht glücklich. 

Am Meer waren wir auch kurz wie­der. Hier sehen die Bade­or­te weni­ger gstopft aus als der Tim­men­dor­fer Strand mit sei­nen Nobel­bou­ti­quen und BMW Cabri­os. So gefällt uns das gleich viel besser.

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