Immer nur die gleichen Strecken zu fahren ist auf die Dauer langweilig, denken sich Gudrun Ben Nemsi und Hadschi Halef Ulrich und treiben ihre Kamele in durch die Weinviertler Wüste, in der seit Menschengedenken kein Tropfen Wasser mehr vom Himmel gefallen ist. Es geht mal wieder in Richtung Kreuttal. Dort waren wir nämlich schon länger nicht, und zwar schon ziemlich länger, wie uns auffällt als wir hinter dem Pferdehof wieder aus Ritzenhof hinausfahren. Bisher war das eine Schotterstrecke, die wir nur bei guten Bedingungen genommen haben, weil sie zum Matschigen tendiert, aber irgendwann seit dem letzten Jahr habens uns die doch tatsächlich asphaltiert! Und auch gleich als Fahrradstrasse ausgeschildert, wie man das neuerdings im Weinviertel gerne macht. Sehr gut, wir kommen dann im Winter wieder.
Auch zwischen Gross-Russbach und Hipples gibt es Neuerungen, bemerken wir. Die Bergabpassage hat ein 30er Limit und damit wir das auch einhalten, hat man die gesamte Strasse auf der gesamten Breite mit fiesem Rollsplitt geschottert, den man farblich kaum vom darunter befindlichen Asphalt unterscheiden kann. Vielleicht hat die Strasse auch wegen des Schotters einen 30er verpasst bekommen? Egal, das ist nichts, wo man das Rad einfach mal laufen lässt, aber gar so langsam wie der Vespa-Fahrer vor uns muss man sich auch nicht ins Tal bremsen.
Hinter Ernstbrunn geht es noch den beliebten Hügel hinauf, den, der wahrscheinlich sogar in stockfinsterer Nacht in der prallen Sonne liegt, und wo ein paar magere Birken einen noch elenderen Schatten werfen. Dann wieder runter und dann sind wir ganz allein im Weinviertel. Vielleicht ist heute sowas wie ein inoffizieller autofreier Samstag oder sind alle irgendwo im Freibad? Wir wundern uns, aber es stört uns ja auch nicht, wenn wir nicht dauernd überholt werden. Lästiger ist schon, dass uns dann das Wasser ausgeht und nicht nur die Strassen menschenleer sind sondern auch die Ortschaften. Niemand, bei dem man sich auf die traditionelle Gastfreundschaft von Wüstenvölkern berufen und eine Flasche Wasser aus dem Gartenschlauch schnorren könnte. Ein Friedhof rettet uns und wir geben die Rettung gleich weiter an ein darbendes Wüstenvolk in gelb-schwarz-gestreift. Wespen haben ja auch Durst im Sommer. Wasser können sie haben, aber das eiskalte Getränk aus dem Spar, das wir uns vor dem Zug noch kaufen (in Unterretzbach gibt es nichts), teile ich nicht mit ihnen. Das ist ganz allein meins!
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