Wien – Kobers­dorf – Deutschkreutz

⌴ 116.1km ⋅ ◿ 919hm ⋅ ◺ 859hm ⋅ ⤓ 165m ⋅ ⤒ 510m ⋅ ☀︎ 24°C ⋅ ◷ 7:05:48

Nach der Schlacht von Mohács im Jahr 1526 blick­te Mit­tel­eu­ro­pa auf eine völ­lig ande­re poli­ti­sche Land­schaft also zuvor: die Osma­nen hat­ten gewon­nen, zogen in den nächs­ten Jah­ren sogar bis vor Wien und nah­men Buda­pest ein, Ungarn zer­fiel in drei Tei­le, das klei­ne Press­burg wur­de Haupt­stadt des „König­li­chen Ungarn“, und die Habs­bur­ger über­nah­men sowohl die Kro­ne Böh­mens als auch die Ungarns und behiel­ten sie bis 1918. Auch auf der loka­len Ebe­ne hat­te die Schlacht an der Donau Fol­gen, denn die jüdi­sche Gemein­de von Öden­burg wur­de ver­trie­ben und Tei­le der Ver­trie­be­nen konn­ten sich im klei­nen Ort Kobers­dorf im heu­ti­gen Bur­gen­land nie­der­las­sen. Es gelang eine jüdi­sche Gemein­de gleich in der Nähe des Schlos­ses zu eta­blie­ren, ab 1704 war sie eine der „Sie­ben­ge­mein­den“ unter dem Schutz der Fürs­ten Ester­há­zy. 1938 wur­de die Gemein­de wie die ande­ren jüdi­schen Gemein­den des Bur­gen­lan­des inner­halb von weni­gen Wochen ver­nich­tet, die jüdi­sche Bevöl­ke­rung beraubt und ver­trie­ben, spä­ter wur­de im KZ ermor­det, wer es nicht geschafft hat­te ins Aus­land zu fliehen.

In Kobers­dorf hat sich abge­se­hen von Pri­vat­syn­ago­ge der Fami­lie Wert­hei­mer die ein­zi­ge Syn­ago­ge der „Sie­ben­ge­mein­den“ erhal­ten. Sie hat die Plün­de­rung durch die Nazis, die Ver­wen­dung als Turn­hal­le in der NS-Zeit und dann Jahr­zehn­te der Ver­wahr­lo­sung über­lebt bis sie vor weni­gen Jah­ren geret­tet und restau­riert wur­de. Heu­te gibt es hier Ver­an­stal­tun­gen und Aus­stel­lun­gen mit Bezug zur jüdi­schen Kul­tur und man kann das Bau­werk auch immer wie­der besich­ti­gen. Das ist z.B. mög­lich wenn im Schloss auf der ande­ren Stras­sen­sei­te Som­mer­thea­ter auf­ge­führt wird, für uns aber lei­der ein wenig zu spät, erst um 18:30, aber es wird sich eine ande­re Gele­gen­heit ergeben.

Wir fah­ren durch den Ort und ein klei­nes Stück den Hügel hin­auf zum Jüdi­schen Fried­hof. Das ist nicht der gröss­te, aber sicher einer der schöns­ten sei­ner Art: Grä­ber und Grab­stei­ne aus meh­re­ren Jahr­hun­der­ten ste­hen etwas unor­dent­lich den bewal­de­ten Hang hin­auf. Tro­cke­ne Zwei­ge kna­cken unter den Schu­hen, dazwi­schen steigt man über Boden­de­cker, und waren das da gera­de Erd­beer­blät­ter? Beschrif­tet sind die Grab­stei­ne nur in hebräi­scher Schrift, daher für uns lei­der nicht les­bar, wir kön­nen nur immer wie­der die bekann­ten Sym­bo­le wie die seg­nen­den Hän­de, die Was­ser­kan­ne oder die Kro­ne erken­nen. Auch die­sen Ort hat man in den letz­ten Jah­ren end­lich restau­riert, auch wenn die Tafel vor dem Ein­gang dar­auf hin­deu­tet, dass der Weg dort­hin nicht ganz ein­fach gewe­sen sein dürfte.

Damit ist das klei­ne Som­mer­pro­jekt fast been­det. Eisen­stadt haben wir uns als Abschluss für einen ver­reg­ne­ten Muse­ums-Sonn­tag „auf­ge­ho­ben“.

Die Fotos

Die Stre­cke

Track Down­loads
    Wien – Deutschkreutz

Fediverse reactions


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert