Nach der Schlacht von Mohács im Jahr 1526 blickte Mitteleuropa auf eine völlig andere politische Landschaft also zuvor: die Osmanen hatten gewonnen, zogen in den nächsten Jahren sogar bis vor Wien und nahmen Budapest ein, Ungarn zerfiel in drei Teile, das kleine Pressburg wurde Hauptstadt des „Königlichen Ungarn“, und die Habsburger übernahmen sowohl die Krone Böhmens als auch die Ungarns und behielten sie bis 1918. Auch auf der lokalen Ebene hatte die Schlacht an der Donau Folgen, denn die jüdische Gemeinde von Ödenburg wurde vertrieben und Teile der Vertriebenen konnten sich im kleinen Ort Kobersdorf im heutigen Burgenland niederlassen. Es gelang eine jüdische Gemeinde gleich in der Nähe des Schlosses zu etablieren, ab 1704 war sie eine der „Siebengemeinden“ unter dem Schutz der Fürsten Esterházy. 1938 wurde die Gemeinde wie die anderen jüdischen Gemeinden des Burgenlandes innerhalb von wenigen Wochen vernichtet, die jüdische Bevölkerung beraubt und vertrieben, später wurde im KZ ermordet, wer es nicht geschafft hatte ins Ausland zu fliehen.
In Kobersdorf hat sich abgesehen von Privatsynagoge der Familie Wertheimer die einzige Synagoge der „Siebengemeinden“ erhalten. Sie hat die Plünderung durch die Nazis, die Verwendung als Turnhalle in der NS-Zeit und dann Jahrzehnte der Verwahrlosung überlebt bis sie vor wenigen Jahren gerettet und restauriert wurde. Heute gibt es hier Veranstaltungen und Ausstellungen mit Bezug zur jüdischen Kultur und man kann das Bauwerk auch immer wieder besichtigen. Das ist z.B. möglich wenn im Schloss auf der anderen Strassenseite Sommertheater aufgeführt wird, für uns aber leider ein wenig zu spät, erst um 18:30, aber es wird sich eine andere Gelegenheit ergeben.
Wir fahren durch den Ort und ein kleines Stück den Hügel hinauf zum Jüdischen Friedhof. Das ist nicht der grösste, aber sicher einer der schönsten seiner Art: Gräber und Grabsteine aus mehreren Jahrhunderten stehen etwas unordentlich den bewaldeten Hang hinauf. Trockene Zweige knacken unter den Schuhen, dazwischen steigt man über Bodendecker, und waren das da gerade Erdbeerblätter? Beschriftet sind die Grabsteine nur in hebräischer Schrift, daher für uns leider nicht lesbar, wir können nur immer wieder die bekannten Symbole wie die segnenden Hände, die Wasserkanne oder die Krone erkennen. Auch diesen Ort hat man in den letzten Jahren endlich restauriert, auch wenn die Tafel vor dem Eingang darauf hindeutet, dass der Weg dorthin nicht ganz einfach gewesen sein dürfte.
Damit ist das kleine Sommerprojekt fast beendet. Eisenstadt haben wir uns als Abschluss für einen verregneten Museums-Sonntag „aufgehoben“.
Die Fotos























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