Die Infrastruktur für den öffentlichen Schienenverkehr muss man pflegen und ausbauen, vor allem auf einer Strecke wie der Nordbahn, auf der schwere Güter aus und nach Tschechien und Polen transportiert werden. Man will aber nicht nur langsame Güterzüge fahren lassen sondern das Schnellfahrpotential der Strecke heben, die ja bekannt brettleben ist und im Prinzip könnte man von Brno oder Břeclav einfach nur geradeaus Schienen verlegen und mit 200 dahinrasen. Die fast schnurgerade Strecke gibt es schon, aber eines hindert uns noch am Dahinbrettern: die niveaugleichen Bahnkreuzungen dürfen nicht sein und so werden sie sukzessive durch Brücken und Unterführungen ersetzt. Für uns bedeutet das: Baustellensommer galore. In Strasshof ist man jetzt endlich fertig (Unterführung Silberwald), ein paar Kilometer weiter kommt eine neue Riesenbrücke, die gefühlt die Hügel der Gegend sämtlich überragt. In Gänserndorf hingegen fehlt gerade der halbe Bahnhof und die Brücke darüber und man wird zu Fuss auf den „Kinosteg“ geschickt. Ich habe bis heute nicht einmal gewusst, dass Gänserndorf ein Kino hat, aber warum eigentlich nicht? Natürlich hat Gänserndorf ein Kino, ist ja Bezirkshauptstadt. Nächste Baustelle bei Stillfried, wir werden über den geschotterten Marchdamm geleitet, dann, kurz nachdem wir wieder auf der normalen Strecke sind, die nächste Lücke statt Brücke, diesmal fehlt auch die Umleitung. OK, wir haben verstanden und wechseln auf die Bundesstrasse. Aber wenn das hier alles fertig ist, dann fahren wir mit mindestens 200 Sachen durchs Weinviertel, ok? Versprochen?
Noch sind wir auf der Rückfahrt gemütlich mit dem REX unterwegs und haben auf der Rückfahrt jede Menge Zeit zu versuchen einem Gespräch auf der Sitzreihe hinter uns nicht zuzuhören. Es bleibt beim Versuch, denn es geht um IT (u.a. um das Selfhosting von Servern hinter einer DSL-Leitung) und um Geschichte (Schlacht bei Dürnkrut und Jedenspeigen), zwei Themen, von denen wir auch ein kleines bisserl was verstehen. Wir winden uns in Schmerzen als behauptet wird, dass in der Schlacht gegen Napoleon gegangen ist. Dann korrigiert man sich darauf, dass es eine zwischen den Habsburgern und den Babenbergern war, was nur geringfügig richtiger ist, aber wenn wir jetzt korrigierend eingreifen und die Erklärbären spielen, geben wir doch zu, dass wir gelauscht haben, das wäre uns auch irgendwie unangenehm. Also beissen wir uns auf die Zungen bis wir in Stadlau aussteigen. Stadlau? Ja, so ein Baustellensommer hat nicht nur Nachteile, derzeit führt er dazu, dass der REX aus Břeclav in Stadlau stehen bleibt. Könnte von uns aus auch so bleiben, wenn wir dann mit 200…
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