Der Tag beginnt mit einer guten Tat, begangen irgendwo zwischen Orth an der Donau und Eckartsau. Drei junge Frauen kommen uns zu Fuss entgegen, ihre Fahrräder schiebend: Platten. Da können wir helfen. Das Loch im Schlauch ist schnell gefunden und für schlecht reparabel erklärt (gleich neben dem Ventil, wo die Patches so schlecht halten), also kriegen sie einen neuen aus unserem Notfallpaket. Damit ist der Freundinnen-Radausflug nach Bratislava gerettet und wir werden mit Dankesworten überschüttet. Hoffentlich hat der neue Schlauch gehalten, ein 28–32er Schlauch in einem 35 mm Reifen ist ja schon etwas ausserhalb der Spezifikation, aber wir haben halt nichts anderes mit.
Mit dem Gefühl der guten Tat und etwas Rückenwind segeln wir nach Győr, heute mal nicht auf dem üblichen Radweg, sondern über Rajka und die Dörfer im Dazwischen zwischen Donauhauptstrom und Moson-Donau, für das wir den Namen „Intradanubien“ wohl nicht etablieren werden. Auf Deutsch heisst das Gebiet „Kleine Schüttinsel“, auf Ungarisch „Szigetköz“. Normalerweise sind wir am südlichen Rand unterwegs, heute mal etwas anders durch eine Landschaft, die abwechselnd an das Marchfeld und an die Donau-Auen vor Hainburg erinnert. Noch ist hier wenig los, aber im Sommer dürfte das ein beliebtes Ferienziel sein, Campingplätze gibt es reichlich und Kayakverleihe auch. Sehr hübsche Alternativroute, nur dem knappen Kilometer Friedhofsschotter müssen wir beim nächsten Mal doch ausweichen.
In Győr ist heute „Sör Fesztivál“, Bierfestival, auf dem Platz neben der Donau. Bierfest heisst gesundes, ausgewogenes Essen als Unterlage: Sauerrahm und Käse auf Lángos, Rindfleisch- oder Hühner-Eintopf auf Lángos, Gyros auf Langos und für die weniger Experimentierfreudigen Grillwurst oder Burger (ob es die auch auf Lángos gibt, habe ich nicht eruiert). Dazu isotonische Getränke: Lager, Weizen, IPA und erstaunlich viele Fruchtbiere, unter denen wir tatsächlich ein angenehm säuerlich-frisches Kirschbier finden, das uns sehr zusagt. Der Weinstand wirkt etwas deplaziert und wird von den Besucher*innen konsequent ignoriert, Apérol Spritz hingegen sieht man öfter und ganz kleine Plastikbecher mit einer klaren Flüssigkeit drin werden mit der Zeit auch immer häufiger. Überhaupt die Plastikbecher: vor einigen Jahren waren wir schon mal auf dem Fest und damals gab es nur Bier-Kostgläser aus Glas, die man für wenig Geld erwerben konnte um sie dann zu behalten. Von damals haben wir noch immer zwei, die haben erstaunlicherweise die Zugfahrt überstanden. Heute ist das Fest mehr Volksfest mit Live-Musik als Bierverkostung und konsequenterweise gibt es anstelle der Gläser Wegwerfbecher, schade, wenigstens ein Pfandsystem hätte man sich nehmen können. Das Fest geht nämlich über 4 Tage, da kommt eine Unmenge an Müll zusammen.
Die Fotos

































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