Wien – Deutschkreutz

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Hand hoch, wer von euch kennt Karl Gold­mark? Ver­mut­lich nicht alle, daher hier ein paar Eck­punk­te: 1830 in der Nähe des Bala­ton gebo­ren, ver­brach­te er sei­ne Kind­heit in Deutsch­kreutz, das unter dem Namen „Zelem“ zu den berühm­ten Sie­ben­ge­mein­den zählt. Das ist eine Grup­pe von sie­ben klei­nen Städ­ten im damals unga­ri­schen Bur­gen­land, die im 18. und 19. Jah­rund­ert zu den Zen­tren des jüdi­schen Lebens in Mit­tel­eu­ro­pa gehör­ten, bevor sie 1938 von den Natio­nal­so­zia­lis­ten end­gül­tig zer­stört wur­den. Karl Gold­mark ging noch im Vor­märz nach Wien um dort Musik zu stu­die­ren, erleb­te die Revo­lu­ti­on von 1848, wur­de Musi­ker und dann auch Kom­po­nist, ein Zeit­ge­nos­se und auch Freund von heu­te noch berühm­ten Kom­po­nis­ten wie Johan­nes Brahms und Anton Bruck­ner. Auch Gold­mark war zu sei­ner Zeit eine Berühmt­heit: sei­ne Oper „Die Köni­gin von Saba“ wur­de an der Hof­oper auf­ge­führt, sie gehör­te zu den gros­sen Erfol­gen der Oper im spä­ten 19. Jahr­hun­dert. Seit 1938 ist sie nicht mehr auf den Spiel­plä­nen zu finden.

Deutsch­kreutz hat Karl Gold­mark ein Muse­um gewid­met, unter­ge­bracht in dem Haus, in dem er 1834–44 gewohnt hat. Ein typi­sches Klein­stadt-Haus mit schma­ler Stras­sen­front, des­sen Erd­ge­schoss zuletzt offen­bar als Papier- und Spiel­wa­ren­hand­lung in Ver­wen­dung war. Das wäre sogar ein­mal ein Muse­um, das für uns pas­sen­de Öff­nungs­zei­ten hät­te, es hat näm­lich kein Per­so­nal, das auch mal heim­ge­hen möch­te. Statt­des­sen gibt es an der Tür einen Schlitz, in den man eine Chip­kar­te ste­cken soll (Ban­ko­mat­kar­te, E‑Card, etc.) und dann soll sich die Tür öff­nen. Eigent­lich ein von diver­sen Kastl­g­reiss­lern bekann­tes und bewähr­tes Sys­tem. Hier aber mag es nicht, die Tür bleibt geschlossen.

Eben­falls geschlos­sen ist das Tor zum jüdi­schen Fried­hof von Deutsch­kreutz. Man kön­ne sich den Schlüs­sel bei der Gemein­de­ver­wal­tung oder bei der Gen­dar­me­rie holen, sagt ein Schild auf Deutsch und Hebrä­isch, und das wohl schon län­ger, denn eine Gen­dar­me­rie gibt es in Öster­reich schon seit 20 Jah­ren nicht mehr. Wir wol­len die Beam­ten aber nicht mit dem Schlüs­sel­dienst behel­li­gen und schau­en über den Zaun auf die letz­ten Grab­stei­ne des von den Nazis geschän­de­ten und sei­ner Stei­ne beraub­ten Fried­hofs. Hier bekommt man einen Ein­druck davon, wie bedeu­tend die jüdi­sche Gemein­de gewe­sen sein muss, denn der christ­li­che Fried­hof weni­ge Meter wei­ter hügel­ab­wärts ist kaum grösser. 

Ich bin schon gespannt, was uns das neu erschie­ne­ne Buch „Jüdi­sches Bur­gen­land“ über Deutsch­kreutz und die ande­ren Orte erzäh­len kann, durch die wir so oft fah­ren. Die Lie­fe­rung wird sehn­lichst erwartet.

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2 Kommentare zu „Wien – Deutschkreutz“

  1. Nun ja, ein paar Häu­ser wei­ter beim „gepunk­te­ten Hund“ hät­te ihr bei mir ein bur­gen­län­di­sches Iso-Getränk (Spritz­wein) oder auch eine alko­hol­freie Alter­na­ti­ve bzw. Kaf­fee bekommen…
    (da hät­te ich dann auch 2 Gesich­ter zu den sehr inter­es­san­ten Geschich­ten bekommen)

    1. Oh 😀

      Beim nächs­ten mal dann 😉

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