Wenn man so durch die Landschaft des Mittelburgenlandes und des südlichen Niederösterreich, die Bucklige Welt, fährt, bemerkt man in all dem üppigen Grün garnicht, dass es eigentlich viel zu trocken ist. Landwirtschaftlich gebildeteren Menschen wird das vermutlich auf den ersten Blick auffallen. Wir aber sind bekanntlich zwar Landratten, jedoch in einer anderen Bedeutung von „Land“. Vor allem aber sind wir Stadtpflanzen und nur am Wochenende auf dem Land unterwegs. Uns gefällt dieser schon sommerliche Sonntag in den Hügeln und wir nehmen daher die bekannt schlechte Versorgungslage grummelnd in Kauf und passen die Mägen an einen ganzen Tag Süsskram an. Es gibt Plunder mit Marillen als zweites Frühstück, Nussschnecke als Mittagessen und Eis bei Lucky’s Eissalon in Pitten. Landauf, landab klagen die Gastronom*innen über gestiegene Preise von Grundprodukten, in Pitten kostet eine Kugel Eis noch immer 1 Euro, wie schon vor 5 Jahren, und die Leute stehen Schlange.
Inzwischen kleben uns von so viel süssem Zeug schon die Magenwände aneinander, aber nach über 100 Kilometern muss es dann nochmal sein. Wir bleiben bei einem Selecta Automaten für ein gekühltes Getränk (endlich!) stehen und irgendwas aus der Snack-Abteilung des Automatens. Dort aber werden mir alle irgendwie sinn- und nahrhaften Optionen verweigert, nur bei den sauren Gummikirschen von Haribo sagt der Automat endlich nicht „Bitte anderes Produkt wählen“. OK, dann halt die. Kirschen sind doch wenigstens Obst, oder? Korrigiert wird diese Ernährung durch einen in Notwehr verzehrten Burger mit Pommes in Schwechat. Ich glaube, wir müssen uns da irgendwas überlegen, wenn wir uns für ein Mittagessen weiterhin nicht der niederösterreichischen „Wirtshauskultur“ unterwerfen wollen.
Auch wenn das so klingt als wäre es nur ums Essen gegangen, nein, heute gab es auch etwas zu sehen. In der Gemeinde Edlitz, gleich hinter Thomasberg, steht etwas, das der Dehio als „mächtige spätgotische Wehrkirche“ bezeichnet. Wenn man auf dem kleinen Platz davor steht, wirkt die allerdings nicht gar so mächtig und den Charakter als Wehrkirche kann man auch nur aus den zahlreichen Löchern in der Fassade erschliessen. Das ändert sich allerdings, wenn man einen kleinen Rundgang um die Kirche unternimmt und die Möglichkeit hat ein paar Schritte vom Gebäude weg nach oben zu sehen. Viele Elemente einer Wehrkirche sind in den oberen Stockwerken noch erhalten, man kann sie angeblich bei einer Führung besichtigen, und neben der Kirchentür beschreibt eine schematische Darstellung, wie das alles funktioniert hat. Eine Karte der weiteren Umgebung gibt es auch mit Hinweisen auf weitere Wehrkirchen in der Buckligen Welt. Wir werden die Augen offen halten.
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