Jetzt haben wir es doch noch nach Ungarn geschafft, nicht nach Szombathely, aber immerhin nach Kőszeg. Die Strecke dorthin ist fast die selbe und weitgehend unspektakulär, wenn man von der Abfahrt runter vom Mattersburger Berg absieht, die immer wieder nett ist. Mit bürgerlichem Namen heißt dieser Berg übrigens „Sieggrabener Sattel“ und gilt der Wikipedia als Gebirgspass. Er hat sogar eine richtige Spitzkehre.
Ich könnte mich nochmal darüber ärgern, dass man es beim Spar in Pottendorf zusammengebracht hat den Pfandrückgabeautomaten so anzubringen, dass man mit Rollstuhl nicht zufahren kann. Es steht der Unterschrank des ansonsten praktischen Waschbeckens neben der Flaschenrückgabe im Weg. Könnte man leicht korrigieren indem man das Kastl 20 Zentimeter weiter links montiert, macht man aber nicht und lässt stattdessen eine Rollstuhlfahrerin andere zum Automaten gehende Kundschaft um Hilfe bitten. Gut, ein wenig Solidarität unter schmal Bereiften (ob parallel oder hintereinander montiert) und ein paar Dosen für jemand einzuwerfen ist jetzt kein grosses Ding, aber bei einem 2025 montierten Gerät nicht auf Barrierefreiheit achten…
Nächste Station: Oberpullendorf ist Bezirkshauptstadt und hat als solche alles, was man haben muss: Fachmarktzentrum, Behörden, Schulen, Sanitätshaus, Kino, mindestens zwei Eissalons und ein paar Restaurants entlang der gewundenen Hauptstrasse und am Hauptplatz. Bei einem der Eissalons bestellen wir uns zwei Becker und fragen uns: warum sieht Oberpullendorf aus, wie es aussieht? Ich will jetzt nicht sagen, dass die Stadt hässlich ist, aber sie wirkt als hätte sie am Ende des 2. Weltkriegs noch einiges abbekommen. Der Hauptplatz verströmt leichte Bremverhaven-Vibes, aber das Eis ist vom Eismacher und das macht es wieder wett.
Totaler Kontrast in Kőszeg: Architektur gibt es hier in Renaissance- und Barockstil zu Hauf und irgendwann wird der Tag gekommen sein, wo alle drei Kirchen im Zentrum zeitgleich fertig renoviert sind. Irgendwann werden wir auch früh genug ankommen um uns die Synagoge der Stadt anzusehen. Um 17 Uhr schliesst die leider und das ist für uns eine echte Herausforderung auch ohne Eis unterwegs. Also keine Synagoge, stattdessen ein kurzer Spaziergang durch die kleine Stadt und als Aperitif ein lokales Bier auf dem grossen Platz vor der halb renovierten Kirche, wo heute auch eine Band mit etwas zu lautem Schlagzeug spielt. Das allerdings nur bis halb 9, dann ist auch dort Schluss und man geht daran die Gehsteige hochzuklappen. Letztes Jahr im Sommer war hier in der Stadt eindeutig mehr los, stellen wir fest, aber da war es auch schon warm genug für eine Gastgartensaison.
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